Ich singe tauben ohren
Dein schönes antlitz kennt mich nicht
Hab ich der freundschafft süsses licht
Mein bestes kleinod gantz verlohren?
Wird denn mein tag zu düstrer nacht?
Soll ich mich lebendig begraben?
Und deiner augen schöne pracht
So vormahls sonne war itzt zu cometen haben?
Was sind es doch für sünden
Davor ich peinlich büssen muß
Und aller schmertzen überfluß
Als übelthäter itzt empfinden?
Doch laß der übelthäter recht
Mich eh' ich sterbe nur geniessen!
Und mache daß dein armer knecht
Was er verbrochen hat mag vor dem tode wissen.
Vor was hab ich zu büssen?
Vor göttin hab ich dich erkennt
Mein hertz als weyrauch dir gebrennt
Und mich gelegt zu deinen füssen.
Strafft mich der himmel oder du?
Dir hab ich mich in mir verzehret;
Der himmel stürmet auff mich zu
Dieweil ich dir zu viel und ihm fast nichts gewähret.
Ach zürne nicht Melinde
So mir diß freche wort entfährt!
Ein sünder ist erbarmens werth.
Du fühlest nicht was ich empfinde!
Nicht lache wenn dein sclave fällt
Du weist verwirret seyn und lieben
Hat allbereit die erste welt
Mit schrifft die nicht verlescht zusammen eingeschrieben.
Doch wilt du göttin heissen
Zu der dich deine tugend macht?
So must du auch bey solcher pracht
Dich der erbarmung stets befleissen.
Reiß deinen kalten vorsatz ein
Nicht mache meine noth zum schertze
Die hölle lehret grausam seyn
Der himmel dem du gleichst verträgt kein steinern hertze.