Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Das Schreiben so du schickst das führ' ich zu dem Hertzen Denn was von Hertzen kom̃t muß auch beym Hertzen stehn
Es zeiget keine Nacht so viel entbranter Kertzen Als Seuffzer diesen Tag aus meiner Seele gehn. Der Himmel solte dich mit dem Gestirne krönen Du bist wie mich bedeucht viel größrer Ehre werth
So mustu deinen Mann dich schmertzlich lassen höh- nen Dem Wein und Alter hat Verstand und Kraft ver- zehrt.
Ach könt’ ich deine Noth mit Bluthe doch beweinen Denn schlechte Thränen seyn zu diesem zugemein Ich wolte meinen Sinn dir sattsam lassen scheinen Und zeigen was in mir vor treue Geister seyn.
Das Hertze bleht sich auf wenn ich bey mir betrachte Wie deine schöne Brust nichts als der Flor bedeckt Wie du verlassen bist und sich sonst nichts bey Nachte Als nur die Einsamkeit dir an die Seite streckt.
Wie deine Jugend soll unendlich Brache liegen Und deine Lippen nicht der rechte Kuß benetzt; Daß deiner Bluhmen Pracht wie Stoppel soll verflie- gen
Eh’ als die Liebe sich auf ihre Blätter setzt. Ach deine Jugend ist nur eine lange Faste An die sich Gall und Pein der Marter-Woche hängt Es ruft die Dürfftigkeit fast stündlich dich zu Gaste
So dich mit Hülsen speist und leeren Bächern tränckt. Man will dich der Natur zur Mammeluck in machen Doch wer verleugnet dis was er im Busen trägt Und was auch wenn du schläfst geschworen hat zuwa-
chen Und in dem Traume dir gar manchen Sturm erregt. Will deine Schönheit nur auf mich die Strahlen werffen
Vermeinst du daß mein Arm dich itzt entbinden kan? So will ich heute noch Gewehr und Eisen schärffen Und greiffe dieses Werck mit vollen Kräfften an. Ein Blick ist mir genug kein Bitten ist vonnöthen
Mein Willen ist bereit mein Arm der ist gerüst Ich will mit solcher Lust dir deinen Alten tödten Als ich verwichner Zeit dich auf den Mund geküst. Die Fehler so er hat auf deiner Brust begangen
Vertilget nichts so wohl als sein vergossen Bluth Hat er die Rosen dir gebleicht auf deinen Wangen So will ich daß er auch verblichen Buße thut. Mein Sinn und Vorsatz zielt auf eine schöne Sünde
Der Grund darauf sie steht schwebt voller Liebligkeit Und daß ich itzund viel in eine Zeile binde Ein Bufies und nicht mehr soll werden abgemeyt. Ein graues Knoblauch Haubt dem alle Kraft entgan-
gen Denn rechter Knoblauch stöst was grünes noch von sich Soll heute seinen Rest von meiner Hand empfangen
Und neben deiner Noth sich legen unter mich. Der Drache so bisher so edlen Schatz besessen Und dich bey Lebens Zeit zur Leiche hat gemacht Wird billich durch den Zahn des Todes aufgefressen
Und was noch übrig ist in einen Sarg gebracht. Denn wer nicht deinen Mund in Anmuth weiß zuküs- sen Und ohne volle Hand aus deinen Garten kehrt
Ja keine Bluhme dir vom Stocke hat gerissen Der ist wie mich bedeucht nicht seiner Seele werth. Wer deinen Bisem nicht weiß kräfftig zuvertragen Dem nicht das Zuckerbrodt auf deinen Lippen schmeckt
Und deinen Ohren nichts was kützlich ist kan sagen Dem muß sein Fehler seyn mit Erde zugedeckt. Was acht’ ich was man wird von dieser Sache mel- den
Und was der Urteles Tisch des Pöbels sagen kan? Ich bin gewislich nicht der erste von dem Helden Der durch der Liebe Trieb hat einen Streich gethan. Ein flammenreicher Blick der schönen Adelheide
Der ausser ihren Mann auch Todten auferweckt Jagt durch verdeckte Kraft das Schwerd aus seiner Scheide Und hätt’ es mir die Hand der Riesen eingesteckt.
Ich stieg auf dein Befehl in eine Löwinhöle Und auf der Drachen Kopf entblöst ich meinen Fuß Ich lieffe dir dahin wo die verdammte Seele (bin ich es doch gewohnt) in Feuer leiden muß.
Ich stieß in heisses Bley die stets getreuen Hände Ich machte sonder Schiff mich auf das wilde Meer Ich holt auß Brände
Und sagte diß dabey: Der Lieb ist nichts zuschwer. Ich baute mir ein Hauß auf Zembels kälten Rücken Mit altem Eiß bedeckt das von der Sündfluth weiß Und könt ich einen Stift in diesen Orth erblicken
So grüb ich dieses ein: Hier brennt es unter Eiß. Doch rechte Liebe sucht was mehr als dürre Zeilen Sie will mit That und nicht mit Worten seyn genehrt Sie heist mich zu dem Stahl und nicht zur Feder eilen
Weil die Gelegenheit uns bald den Rücken kehrt. Nach dreyen Tagen will ich nechst dem Schlosse jagen So schaue das der Hirsch aus seinem Stande rückt Dann will ich einen Streich von deinetwegen wagen
Und trennen was dir hat den freyen Kuß bestrickt. Du wirst dann diesen Fall so gut du kanst beweinen Und durch ein traurig Ach eröffnen deinen Mundt Wer seinen Firniß recht läst für den Menschen schei-
nen Dem ist der Firniß oft ein eisenfester Grundt. Dann laß die rothe Schuld nur gantz auf meinen Len- den
Denn einem Manne steht das Laster besser an Ein Mann bringt ohne Müh den Fleck von seinen Händen Den eine Frau nicht wohl von ihren waschen kan.
Genug die Feder muß dem harten Eisen weichen Ein rechter Heldenschluß wird durch die That gekrönt Dafern du blühen solst so muß dein Mann verbleichen Es scheint der Lieb Altar wird durch sein Blut versöhnt.
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