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1616–1679

Hochzeit-lied Auß Rom nach Königsberg geschrieben.

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Bruder sieh wie wol dieß fällt Ich beseh’ die große welt Und du thust es bey der kleinen! Rom der Christen haupt hält mich

Und dein schatz Christinchen dich. Wol! wann Brüder sich so einen! Wol! ruff ich bey meinem stand! Wol! auch du bey deinem band!

Ich besehe mit begier Was an alterthümern hier Was an gärten was an flüssen Hügeln gründen gräbern stein

Schrifften oder sonst mag seyn Welches würdig ist zu wissen: Denn so klein fast nichtes ist Drauß nicht etwas guts erspriest.

Du beschaust das meister-stück Das der Höchste hielt zurück Biß sich alles fertig fünde. Du hast doppelt hügeln hier

Die dem Pindus selbst gehn für Du hast deine flüß und gründe Da wenn wo zu heiß der tag Deine lieb’ sich kühlen mag.

Deine gärten tragen dir Des ie läng ie liebers zier Tausendschön und Amaranthen: Tag und nacht und mannes-treu

Augentrost und was dabey Von dergleichen anverwandten Die kein Tyfoli allhier Noch Fraskati bringt herfür.

Was von gräbern ist gedacht Ist was dir das bette macht Drein die jungfrauschafft sich leget Und bedecket mit dem stein

Der vergessenheit will seyn Darauff diese schrifft gepräget: Dieser todt der hier regiert Ist drauß alles leben rührt.

Ich nahm überall in acht Was ein land glückseelig macht Wie das regiment bestellet Wie der handel eingericht

Was für bündniß gut und nicht Wie der ein den andern schnellet Was für sitten hier gemein Dort für art der leute seyn.

Du greiffst selbst den scepter an Da du dich wirffst auff zum mann Eine fraue zu regieren: Jrr’ ich oder glaub ich recht

Daß es wol so viel seyn möcht Als ein weites land zu führen: Sonderlich wenn sie von muth Daß sie gerne trägt den hut.

Du auch must nicht minder sehn Daß dein feld mag fruchtbar stehn Was dein handel soll erjagen Was dein bündniß bringet ein

Sollen lauter Erben seyn Die dein schatz wird jährlich tragen; Und so haben ich und du Unsre arbeit immerzu.

Dieß ist nur der unterscheid Unter uns vertrauten beyden Daß ich immerfort muß wallen Und in unbeständigkeit

Meinem stand nach jeberzeit Der bald so bald so kan fallen Und gantz nichts von meiner reis’ Als was GOtt will sicher weiß.

Du hingegen kommst zur ruh Läst fort wer will wandern zu Reisest sonder bösen wegen Schiffest sonder sturm und wind

Reitest wo nicht räuber sind Gehst wo du dich auch kanst legen Und bist summa überall Sonder furcht für feindes fall.

Wol ich gönne dir dieß gern Will es einst mein glückes-stern Daß ich auch so gut soll fahren Krieg’ ich endlich wol das mein

Du must hier ber erste seyn Der du mir gehst vor an jahren Und was mir noch mangelt meist Schon von diesem stande weist.

Schreibe gleichwohl wie es dir Fort in deiner welt schlägt für Wie ich meine dir entdecke: Was der himmel hier dich heiß

Wie weit sich der erden-kreiß Und ihr horizont erstrecke Wo die mittel-linje steht Und wie hoch der pol erhöht.

In der grossen friert es itzt Daß ihr kaum euch gnugsam schützt Deine weiß ich ist gelinde; Oder wo noch kalt der stand

Hastu Venus an der hand Neben ihrem süssen kinde Wo dieselben kehren ein Kan es schwerlich frostig seyn.

Drumb bestelle deine welt Wie es selber dir gefällt Nur mach’ wenn nach GOttes willen Ich euch wieder sehen soll

Daß du alles seegens voll Meinen wunsch wol mögst erfüllen Und da ich dich bruder ließ Vater dann erfreuet grüß.

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