Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Ein Brief aus frembder Luft doch von bekan- ten Händen Begrüßt un küßt dich itzt so gut er küssen kan Es heißt die grüne Treu mich dieses übersen-
den Ich weiß du nimbst es auch mit solchen Hertzen an. Ich darf dir nicht zuviel von meinem Namen sagen Die kleinste Silbe hier entdeckt dir wer ich bin
Sie denckt mein Hertze dir wo möglich fürzutragen Und reicht so gut sie kan auch diß im Briefe hin. Du kenst die alte Schrifft und auch die alten Sinnen Die noch kein Saracen hat in die Fessel bracht
Ich schwere daß sie dich so eifrig lieben können Als in dem Hochzeit Tag und in der ersten Nacht. Du weist die Liebe läst sich nicht durch Meilen messen Sie wächst nicht ungemein in unbekanter Luft.
Was recht gegründet ist das läst sich nicht vergessen Und ihre Wurtzel dringt biß in die kalte Gruft. Durch Hitze kan sie nicht wie Blum und Gräser sterben Die Kälte hemmt sie nicht wie einen Wasserfluß
Die Nässe weiß sie nicht wie Farben zuverderben Man schaut wie Staal und Seein ihr oftmahls wei- chen muß. Die wahre Freundschafft kan kein Saracen beschnei-
den Es stöhrt der Alcoran getreue Liebe nicht Es kan der Mahomet Sie in dem Tempel leiden Und keine Satzung ist so ihr zuwieder spricht.
Mein Schatz itzt heisset mich ein Zufall klährer schrei- ben Es mindert wie es scheint sich nun das alte Joch Ich kan mit mehrer Lust itzt meine Rinder treiben
Und mein Gelücke blüht auch untern Heyden noch. Ein Edles Weib von mehr als Fürstlichen Geblüthe (ich weiß nicht ob sie mir Weib oder Engel ist) Die hat vor kurtzer Zeit mit traurigem Gemüthe
Mein schweres Joch betracht und meine Noth erkieß Es schien sie ward durch mich und meine Qvaal ge- bunden Kein Striemen lief mir auf den sie nicht auch em-
pfand Die Schäden so ich trug die wurden ihr zur Wunden Und meine Dinstbarkeit war ihr gemeines Bandt. Der Schweiß auf meiner Brust hat Thränen ihr er-
reget Mein Seuffzer hat bey ihr die Wehmuth angesteckt Und meine Knechtschafft hat sie in ein Joch geleget Das nach der Tugend reucht und keinen Hals befleckt.
Sie hat gar manchesmahl in einem schlechten Kleide In Sicherheit zugehn mich armen Knecht besucht Die Tugend war ihr Gold die Wehmuth ihre Seyde Und ihr erhitzter Wunsch bestand in meiner Flucht.
Sie half mir manchesmahl die faulen Ochsen treiben Wann sie zugegen war so hatt’ ich halbe Müh Sie ließ mich leichtlich nicht zu matt und hungrig blei- ben
Doch wünscht ich ihre Kost noch nicht so sehr als Sie. Jhr Fürtuch hat mir oft den sauren Schweiß vertriebe Und ihr gemeinstes Wort war diß: Dich laß ich nicht. Wie solt ich liebstes Weib nicht eine Seele lieben
Die mich dir wiederbringt und meine Fessel bricht? Nicht meine daß mich hier ein Geist der Wollust trei- bet Zeit und auch Ungelück hat solches längst verjagt.
Denn wem der Tugend Stam recht an der Brust be- kleibet Der höret leichtlich nicht was ihm ein Laster sagt. Jtzt soll ich ihren Dienst durch meinen Leib belohnen
Die Müntze so sie sucht ist meines Mundes Kuß Sie acht mein Hertze mehr als ihres Vatern Cronen Und liebst du deinen Mann so lieb auch ihren Schluß. Ich werd in künfftig sie mit deinem Namen nennen
Scheint dir die Zahlung groß die Schuld ist ungemein Wer nur vernünfftig ist muß diß mit mir bekennen Der Gott so Zucht befiehlt heist uns auch danckbar seyn.
Dein Glimpf muß ihre Treu wie sichs gebührt bezah- len Daß du mich schauen wirst hat ihre Hand gethan Dir bleibet doch der Kern sie sättigt sich mit Schalen
Du hast das beste Brodt sie nimt die Brocken an. Kan sie von wegen mein des Vatern Hof verlassen Und führt mich wiederumb zu Hause freudig ein So mustu warlich sie als Schwester auch umfassen
Und eben so wie mir auch ihr gewogen seyn. Doch Eyfer wird bey dir sich nicht ereignen können Denn dieses ist ein Trieb der unsre Geister kränckt Wenn etwas neben uns sich heimlich will entspinnen
So dieses was man liebt uns zuentziehen denckt. Ein frembdes Weib so dich und mich nicht weiß zu nennen Verläst des Vatern Burg und ihrer Mutter Schoß
Und macht was selten ist du wirst es ja erkennen Nach langer Dinstbarkeit mich meiner Bande loß. Die Rauigkeit der Luft Stein Wasser Berg und He- cken
Wild Regen Nebel Schnee Wind Hagel Eiß und Frost Durst Hunger Finsternüß Sand Wüste Furcht und Schrecken
Trieb ihren Fürsatz nicht aus der getreuen Brust. Sie läst die Crone stehn mit Lust dich zu umkräntzen Sie will in Armuth seyn zufüllen deine Handt Sie trägt der Aeltern Zorn sie weicht von ihren
Gräntzen Und läst dir guts zuthun ihr rechtes Vaterlandt. Du must geliebtes Weib das Hertze mit ihr theilen Empfähst du mich so nim auch meinen Leitstern an
Und dencke: daß ich kan zu Weib und Kindern eilen Hat diese Frembdlinge fast mehr als ich gethan. Ein mehrers will ich dir bey meiner Ankunfft sagen Die Feder reimet sich zu vielen Reisen nicht;
Kanst du im Hertzen Treu und Witz im Geiste tragen So ist der kurtze Brief dir gar genug Bericht. Laß unterdessen mir Hertz Hauß und Lager offen Ich schreite schon im Geist bey dir mit Freuden ein;
Doch will ich auch mein Schatz diß ungezweiffelt hoffen Daß Lager Hertz und Haus wird vor die Frembde seyn.
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