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1616–1679

Galante gedichte.

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Hochwerthes jungfern-volck ihr holden anmuths-sonen Jhr auserwehlter schmuck der haus und gassen ziert. Wer ist so steinern der euch nicht hat lieb gewonnen? Und welchen habt ihr nicht mit fesseln heimgeführt?

Wer ist so kühn der darff für eure augen treten Wenn ihr die waaren habt der schönheit ausgelegt? Wer will euch liebste nicht als einen Gott anbeten Weil ihr das bildnis seyd das Venus selbst geprägt.

Jedoch ich wil nur bloß ein theil von dem berühren Mit welchem die natur euch herrlich hat versehn. Der sinnen schiff soll mich in solche länder führen Wo auff der see voll milch nur liebes-winde wehn.

Die brüste sind mein zweck die schönen marmol-ballen Auf welchen Amor ihm ein lust schloß hat gebaut; Die durch das athem-spiel sich heben und auch fallen Auf die der sonne gold wolriechend ambra thaut.

Sie sind ein paradieß in welchem äpffel reiffen Nach derer süssen kost iedweder Adam lechst Zwey felsen um die stets des Zephirs winde pfeiffen. Ein garten schöner tracht wo die vergnügung wächst.

Ein über-irrdisch bild dem alle opffern müssen. Ein ausgeputzt altar für dem die welt sich beugt. Ein crystallinen quell aus welchem ströme flüssen Davon die süßigkeit den Nectar übersteigt.

Sie sind zwey schwestern die in einem bette schlaffen Davon die eine doch die andre keinmahl drückt. Zwey kammern welche voll von blancken liebes-waffen Aus denen Cypripor die göldnen pfetle schickt.

Sie sind ein zeher leim woran die sinnen kleben; Ein feuer welches macht die kältste hertzen warm; Ein bezoar der auch entseelten giebt das leben; Ein solcher schatz für dem das reichthum selbst ist arm.

Ein kräfftig himmel-brod das die verliebten schmecken; Ein alabaster hauß so mit rubinen prahlt; Ein süsser honigseim den matte seelen lecken; Ein himmel wo das heer der liebes-sterne strahlt.

Ein scharff geschliffen schwerd das tieffe wunden hauet Ein rofen-strauch der auch im winter rosen bringt. Ein meer worauff man der Syrenen kräffte schauet Von denen das gesäng biß in die seele dringt.

Sie sind ein schnee-gebürg in welchem funcken glimmen Davon der härtste stahl wie weiches wachs zerfleust. Ein wasser-reicher teich darinnen fische schwimmen Davon sich sattsam ein verliebter magen speist.

Sie sind der jugend lust und aller kurtzweil zunder Ein krantz in welchem man die keuschheits blume sieht. Sie kürtzen lange zeit und stifften eitel wunder Weil beydes glut und schnee auff ihrem throne blüht.

Sie sind ein runder sarck wo liebe liegt begraben Ein ditrich welcher auch des hertzens grund auffschleust Ein ort indem nur lust will sitz und wohnstadt haben In dessen hölen milch und nectar häuffig fleust.

Zwey fässer welche sind mit julep-safft erfüllet Lockvogel derer thon ein freyes hertze bind. Zwey sonnen welche zwar mit dünnem flor umhüllet Doch macht ihr heller blitz die klärsten augen blind.

Sie sind ein zart gewand von schwanen-weisser seide Daran man sehen kan wie ieder faden steht Zwey hügel derer höh’ bedecket ist mit kreide Zwey fläschgen denen nie der wollust milch entgeht.

Zwey brünne da nur stets gesunde wasser quellen Und wo die dürre nicht der adern marck außsaugt. Zwey jäger welche zahm und wilde thiere fällen Wo keines wird verschont was nur zu fangen taugt.

Zwey schneeballn welche doch unmöglich schmeltzen können Womit das jungfern-volck der männer seelen schmeist. Zwey aufgestelte garn und schlingen freyer sinnen Aus denen gar kein mensch wie klug er ist entreist.

Zwey kräme wo man hold und freundligkeit ausleget Und wo ein rother mund nur kan der kauffmann seyn. Zwey körb in welchen man bloß marcipan feil träget Nach derer süßigkeit die lippen lechsend schreyn.

Zwey thürme derer pracht von elffenbein vollführet Darauff Cupidens pfeil die wache fleißig hält. Zwey kleinod derer glantz der jungfern leiber zieret Wenn ihre freundligkeit den männern netze stellt.

Sie sind ein blasebalg ein feuer auffzufachen Das durch kein mittel nicht kan werden ausgelöscht. Zwey bette wo rubin und marmol hochzeit machen Wo süsse mandel-milch der rosen scharlach wäscht.

Sie sind ein see-compas der hurtig rudern heisset Eh man in hafen der vergnügung wird gebracht. Ein reiner thron auff dem der liljen silber gleisset Worauff verliebtes volck nur hat zu sitzen macht.

Ein werthes heiligthum das keusche lippen küssen Für dem sich hertz und knie in tieffster demuth neigt. Ein meer aus dem sich lust und liebligkeit ergiessen Ein bergwerck dessen grund zwey demant-steine zeigt.

Doch niemand lobt den brauch die kugeln zu verdecken Darauff man sehen kan wo lieb- und lust-land liegt. Ach schönste! glaubet mir ihr möget sie verstecken Ein liebes-auge hat dem allen obgesiegt.

Orontes selbst bezeugt daß kein verbergen nutze Der brüste Pharos hat durch zart gewand geleucht. Er ruht im liebes-port ietzt unter ihrem schutze Wenn uns ein rauher sturm noch um die seegel streicht.

Wol dem nun der wie er kan so vergnüget leben! Den so ein weisser schild für wehmuths-wunden schützt Der seinem munde kan dergleichen zucker geben Der so vergnügt wie er im liljen-garten sitzt!

Der so die blumen mag auff weissen wiesen brechen; Der aus der brüste schacht rubin und demant gräbt. Der rosen samlen kan ohn einzig dornen-stechen; Der von der speiß und krafft der süssen äpffel lebt.

Dem so das glücke blüht den es so bruder nennet Dem eine runde brust kan pfühl und polster seyn. Der in der liebsten schooß mit vollem zügel rennet Der seiner Venus so flöst liebes-balsam ein.

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