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[Flavie schaut meine thränen]

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Flavie schaut meine thränen Nur als wasser-perlen an Und mein seuffzer-reiches sehnen So ich doch nicht lassen kan

Zeigt mir daß betrügerey Meiner treu belohnung sey. Doch kan ich mich nicht erwehren Zu verehren was mich haßt

Und mich schmertzlich zu verzehren Unter einer schweren last; Denn die liebe liebet pein Und heist galle zucker seyn.

Mir gefallen noch die narben Die mir hat das joch gedrückt Und durch tausend falsche farben Wird mein treuer sinn berückt.

Meiner fässel heller klang Ist mein bester trost-gesang. Ich muß itzt zurücke dienen Und der sonnen edles licht

So mir vormahls hat geschienen Kennt itzund mein auge nicht Die mich ihren engel hieß Stöst mich aus dem paradieß.

Flavie lacht meiner schmertzen Meine qval ist ihre lust; Und das joch in meinem hertzen Ist ein kleinod ihrer brust.

Mein verderben ist ihr ziel Und mein' angst ihr possen-spiel. Flavie zu deinen füssen Leg' ich meine freyheit hin

Und bin itzt in furcht beflissen Dir zu opffern geist und sinn; Doch die mir das hertze bricht Kennt itzund mein opffer nicht.

Die mir vormahls hat geschworen Der werd' ich itzt unbekandt Und ich singe tauben ohren Man verschleust mir hertz und hand

Was mein irrthum hat gethan Ziert itzt ihre sieges-fahn. Flavie ist das erbarmen Nicht aus deiner brust verjagt?

Ach so reiche dem die armen Den sonst keine schuld verklagt Ausser daß er in der welt Dich allzeit vor göttlich hält.

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