Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Hjer ist ein kleiner Brief mit Schertz und Ernst gefüllet Der Gall’ und Honigseim in seiner Schoß enthällt
Auß welchen gläub es mir dir Todt und Leben qvillet Erwehle dir nunmehr dieß was dir wohlgefällt. Ich lasse dich itzund mich ohne Maßqve schauen Ich stelle deinen Fall in hellen Farben für
Und willst du alzuviel auf deine Reuter trauen So hab ich mehr als du: die Hertzen seyn bey mir. Ein Wort ein Blick von mir kann tausend Lantzen stehlen
Die besten Bogen seyn auf mein Geboth gespannt Es wird mir nimmermehr an grossen Helden fehlen Als Schlangen hab ich sie zu meiner Fahn gebannt. Waß nur zwey Finger rührt hat dir den Todt geschwo-
ren Du bist mir allbereit im Geiste hingericht Begrüst du mich als Feind so halt dich vor verlohren Verschertze doch dein Volck und dich auch selber nicht.
Was nur nach Eisen reucht begehrt dich zuerdrücken Drum dencke wo du bist und endlich was du thust Ich darf nur einen Blick nach deinem Lager schicken So kehrt dein eigen Schwerdt sich gegen deine Brust.
Ach König wilt du dich mit Hoffnungs Speisen neh- ren Sie blehen trefflich auf und geben keine Krafft Wer ohne rechten Grund will alzuviel begehren
Dem wird auch was er hat noch endlich hingeraft. Kein Spiegel treuget mehr als den der Wahn uns zeiget Gefahr muß hier ein Zwerg Gelück ein Riese seyn
Man schaut wie unsre Lust aus Zucker Rosen steiget Man spüret keine Nacht nur lauter Sonnenschein. Es zeiget sich allhier ein Jahrmarckt voller Cronen Die Scepter scheinen uns wie ein gemeiner Stab
Die Lorber Kräntze seyn gemeiner als die Bohnen Hier ist kein Helden Fall und auch kein Todten Grab. Doch endlich will uns nur diß Lust Schloß gantz ver- schwinden
Der Fürhang fällt herab das Spiel ist ausgemacht Die Lampen leschen aus es ist nichts mehr dahinden Man mercket nichts als Rauch und spühret nichts als Nacht.
Dann steht man gantz betrübt mit wunder-schlaffen Händen Und schaut was man gethan mit neuen Augen an; Wohl diesem der sich nicht die Hofnung läst verblen-
den Und seinen Jrrthum noch vernünfftig ändern kann. Vermeinst du daß ich hier mit blossen Worten schrecke Und dieses alles nur pappierne Feindschafft sey
So bitt’ ich dich zerreiß der Augen faule Decke Und mache dich nun selbst der falschen Blendung frey. Ich warne noch itzund es ist ein Liebes Zeichen Hier ist noch Sonnenschein und nicht ein Donnerkeil
Allhier versuch ich noch ob ich dich kan erweichen Dann find ich keinen Feind so brauch ich keinen Pfeil. Wird durch mein Schreiben nu dein Schwerd zur Ruh geleget
So fahr ich Himmel an und wünsche das der Tag In welchen Rudolph hat die Waffen hingeleget In der Geschichten Buch der Nachwelt kommen mag. Ich weiß des Ruhmes Hand wird dich mit Blättern
ziehren Die immer grüne stehn die keine Zeit befleckt Und deinen Nahmen wird sein Flügel weiter führen Als wo der Elephant sich an die Sonne streckt.
Gedencke was du hast zu deinen Feind erkohren Und gegen was dein Volck itzund ein Lager schlägt; Du weist es ohne mich ich bin ein Weib gebohren Doch die ein Mannes Hertz in zartem Leibe trägt;
Ich bin es nicht gewohnt also bedient zuwerden Geburth und Eigenschafft treibt mich zuhöhern an Ach König glaub es mir die Anmuth der Geberden Hat gegen Frauen mehr als Schwerd und Helm ge-
than. Was nicht sein Segel streicht was nicht die Lantze sencket Dem bleibet Thor und Post verschlossen iederzeit
Und welcher Held bey mir zu siegen ihm gedencket Der waffne seine Brust zuvor mit Höffligkeit. Es wird dein gantzes Heer eh’ alle Köcherleeren Als du bezwingen wirst das edele Pavt’
Du wirst durch solchen Streit nichts als dich selbst verzehren Drum so du siegen wilst so sieg auch ohne Müh. Ich lasse bist du Freund dir Hertz und Gatter offen
Doch ließ auch dieses Wort dir eintzig und allem Dergleichen hat dein Volck zu keiner zeit zuhoffen Du solt von mir geküßt und Sie geschlagen seyn. Der Bothe den du schaust der wird dich sicher füh-
ren Der Außzug aller Lust erwartet deiner hier Und läßt du dir dein Häupt mit einer Crone ziehren So schau auch ob sie mir so zierlich steht wie dir.
Laß deinen hohen Geist dich nicht zurücke lencken Man kan nicht allezeit mit vollem Segel gehn Wer alle Stunden will auf Berg und Wippel den- cken
Wird offtmahls in dem Thal und bey der Wurtzel stehn; Du bist ich schwere dir dißmahl zuweit gegangen Und wer ich Feindin nicht allhier dein bester Rath
So hätte dich das Garn als wie ein Wild gefangen Verachtest du die Hand so dich erlöset hat? Ich bin kein schlechtes Weib wer rühmt nicht mein Geblüthe?
Ist meiner Ahnen Lob dir nicht genug bekannt? Es lobt sich ohne mich; mein hurtiges Gemüthe Wird endlich fast zugroß vor dieses weite Landt. Kom kom und säume nicht itzt hast du Zeit zu eilen
Schmach und Verrätherey will deiner Crone bey; Auf Schwerdtern stehest du und unter tausend Pfeilen Ach lerne daß dein Schutz bey deiner Feindin sey. Dir beuth der stoltze Po den Silberweissen Rücken
Die Vorburg ja mein Schloß nimt dich mit Freu- den an Der Weg ist dir gebähnt: dem manglen keine Brücken Wer die Gelegenheit vernünfftig brauchen kan.
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