Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Des grossen Carles Knecht ist die Gedult ent- rissen Ich schreibe was vielleicht mein Leben kosten kan
Doch darf ich nur einmahl dein schönes Auge küssen So trett ich wohl vergnügt hernach die Marter an. Dein hoher Purpur läst mich nicht vom Tode dencken Die steiffe Zuversicht streicht allen Kummer hin:
Beliebt dir einen Blick auf meinen Brief zulencken So mein ich daß ich schon der Sonne gleiche bin. Mein Fräulein straffe nicht mein eyfriges Beginnen Und reiß das treue Blat nicht vor der Zeit entzwey
Erwege vor die Noth und Schwachheit meiner Sin- nen Hernach mach einen Spruch ob ich zutadlen sey. Ich weiß das meine Glutt sich denckt zu hoch zuheben
Und daß mein Kieselstein zu Diamanten wil Doch die Erfahrung wird vor mich die Antwort ge- ben Der Stände gleichheit ist der Liebe Possenspiel;
Sie bindet Gold an Stahl und Garn zu weisser Sey- de Macht daß ein Nesselstrauch die edle Rose sucht Zu Perlen legt sie Graus zu Kohlen legt sie Kreyde
Und pfropft auf wilden Baum offt eine süsse Frucht. Sie lachet was die Welt von Blutverwandnüß sa- get Diß was man Ehlich heist hemmt ihre Pfeile nicht
Der Keyser wird ihr Knecht der Jäger wird erja- get Man spührt wie ihre Macht in Stock und Closter bricht;
Ich schreibe was ich muß ich steh itzund gebunden Die Zeile so du siehst will selbst nicht meine seyn Der Gott der alles kan der hat sie auch erfunden Ich aber liefre sie dir nur gezwungen ein.
Diß was ich hier gesagt ist kein so frembdes Wesen Das Fieber so mich plagt ist dir genug bekant Auß meinem Auge hat dein Auge schon gelesen Waß sich vor Liebes Schrifft hier eingeprägt befandt
Vor Seufftzen kont ich offt kein rechtes Wort beginen Die Augen branten mir das Hertze ward mir kalt Die Hände böbeten es irrten alle Sinnen Ich war ein rechtes nichts an Farb und an Gestalt
Du weist wie offtmahls ich der Zeilen Reyh verloh- ren Wann ich dem grossen Carl geheime Schreiben laß Es fehlten manchesmahl mir Augen Zung und Oh-
Wann meine Herrscherin mir gegen über saß. (ren Es drang das heisse Blut aus meinen Liebes Wunden Wann meine Mörderin auf mich Jhr Auge warff Hat deine schöne Hand O Emma mich gebunden
So laß mir doch nur zu daß ich mich regen darf Ich fall itzund als Knecht zu deinen zarten Füssen Ich ruff als Göttin dich mit bleichen Lippen an Laß einen milden Strahl auf meinen Scheitel schüssen
Und zeige daß bey dir auch Wehmuth wohnen kan! O Göttin stürtze mich doch nicht durch deinen Blitzen Und denck’ ein treuer Knecht ist eines Blickes werth: Du wirst mit mehrern Ruhm auf deinem Throne si-
tzen Wenn deiner Demuth Glantz auch in die Thäler fährt Die Flamme so mich treibt daß ist ein Zug von Oben Ich muß dasselbe thun was mein Verhängnüß heist
Es wird die Nachwelt noch den heissen Fürsatz loben Der mich itzund verblend’t zu deinen Knien reisst; Will denn dein schöner Grimm mich gantz und gar verterben
Bricht deine zarte Hand die Hoffnungs-Seulen ein Thust du den Feunden diß wie wollen diese sterben Die deinem Vater Feind und dir zuwieder seyn? Mein Fräulein weigre nicht der Liebe Platz zugeben
Es ist ein solcher Gast der Freude mit sich bringt Es will der Balsam seyn vor unser junges Leben Der in die Augen träufft und zu dem Hertzen dringt. Es schmückt der schöne Trieb die Blumen unsrer Ju-
gend Und führt uns in das Feld der rechten Frühlings Zeit Mann nennt die Liebe zwar die süsse Gifft der Tugend Doch dem Verleumbder selbst lobt Jhre Liebligkeit;
Es ist die edle Saat so von dem Himmel kommen Und auf der Erde nichts als Zucker Früchte trägt Es ist der beste Leim aus Gottes Hand genommen So Mensch zu Menschen fügt und uns zur Lust bewegt;
Mein Fräulein meine nicht daß solches dich beflecket Es ist ein solches Werck so GOtt uns selber hieß Ein etwas so Er uns im Paradieß erwecket Und mit dem Athem tieff in Adams Nase bließ;
Ich rede wohl zu kühn Ach Fräulein! diese Flammen Verzehren was von Furcht und Schrecken übrig war Lust und auch Ungedult verbinden sich zusammen Und meine Zuversicht verkleinert die Gefahr;
Laß diese heisse Gluth doch nicht vergebens brennen Und dencke Liebe sey allein der Liebe werth Soll ich mich ohne Frucht stets deinen Sclaven nen- nen
Der ohne deinen Mund sich durch sich selbst verzehrt? Sprich sprich ein süsses Wort laß mich mit meinen keten In tieffster Dienstbarkeit für deinen Augen stehn
Ich komme; darff ich auch für dein Gesichte treten? Ach solt ich doch vergnügt von dir zurücke gehn Und eines Kusses darff dein Purpur sich nicht scheuen
Es soll ein Geissel seyn von meiner Dienstbarkeit Laß dich die hohe Gunst O Fräulein nicht gereuen Die Kette so mich druckt durchdringt keln Biß der Zeit.
Sprich doch ein süsses Wort benenne Stell’ und Stunde Ruffst du so hält mich auch der Himmel selbst nicht auf;
Dein Willen wird mein Schluß: ein Spruch aus dei- nem Munde Soll ein Verhängnüß seyn vor meinen Lebenslauf; Jtzt will ich meinen Brieff doch nicht die Hoffnung
schlüssen Er hat Ich neid’ ihn fast weit mehr Gelück als Ich Er will von mir zu dir; Ich muß euch beyde küssen Zwar mit den Lippen Jhn und in Gedancken dich.
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