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1616–1679

Eben darauf. C. G. R.

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Es sind, gelehrter mann! vier winter fast begraben, Seit dem ich dich gekannt, gehört und hochgeschätzt: Darum ich offt gewünscht, gelegenheit zu haben, Zu zeigen, was ein kiel verbundner diener setzt;

Es hat sich aber nichts dergleichen fügen wollen, Biß deines kindes tod mich itzt zum tichter macht. Ach! hätt ich doch ein lied von freude schreiben sollen! Ach! wüste doch dein tag von keiner trauer-nacht!

Dein kind, das liebste kind, die zarte Leonore Vergeht als wie ein licht, das kaum entglommen ist; Drum deckt dein antlitz sich mit einem duncklen flore, In deinem zimmer wird nur ach! und boy erkiest.

Man höret nun nicht mehr das angeuehme lallen, Damit ihr kleiner mund der eltern hertz erfreut: Jhr unschuld-voller schertz, der allen wohl gefallen, Und viel verdruß versüßt, kehrt sich in herbes leid.

Der muntre Friedrich sucht die schwester zwar zu wecken; Allein sie schläft den schlaf, den niemand stöhren kan; Drum steht er gantz bestürtzt, es will ihm nichts mehr schmecken, Und giebt mit trübem ach! sein liebstes spielwerck an.

Hoch-werthester patron! es schiessen die cypressen Dir selber allzu früh in deinem garten auf. Der hoffnungs-bau verfällt, man kan es leicht ermessen, Dein schöner vorsatz hemmt den angefangnen lauff.

Der himmel hatte dich zwey kinder küssen lassen, Es ließ uns die vernunfft was seltnes propheceyn: Die tochter wolt in sich der mutter tugend fassen, Der sohn ein contrefait des klugen vaters seyn;

Allein wie irren doch die allerbesten schlüsse, Wenn GOtt uns einen strich in unsre rechnung macht! Dein vorsatz war gerecht, die hoffnung zucker-süsse; Der heyland aber hat ein ander ziel erdacht.

Eleonor erbleicht, die weichen glieder starren, Die augen sincken hin, ihr blick verliehret sich, Jhr geist darff länger nicht in dieser welt verharren, Und dieses scheiden ist vor dich ein hertzens-stich.

Gott aber meint es gut, ja besser, als wir dencken, Ob seine wege gleich verborgne räthsel sind. Wer weiß, ob uns die grufft, die itzt von thränen-träncken Und todten-wasser quillt, nicht trost und leben rinnt.

Gott meint es warlich gut, auch wann er böse scheinet, Auch wenn er unser haupt mit asch und moder deckt. Ein David wird erquickt, indem er ächtzt und weinet: Man siehet, daß ein dorn offt voller rosen steckt.

Hoch-werthester patron! dir sind die weisen bücher Des trostes ja so wohl, als der Astree, bekannt, Drum laß den düstren flor, die nassen wehmuth-tücher Nur einen augenblick aus augen, sinn und hand!

Ich weiß, es wird ein blat das lange trauren lindern: Ich weiß, es kläret sich der himmel etwas aus, Der itzt so düster läßt. Ja um dein leid zu mindern, So wirff nur einen blick auf dein geliebtes haus.

Kommt Leonore dir nicht weiter zu gesichte? Ist deine tochter todt? so lebt doch Friderich, Dein liebstes söhngen, noch, die hoffnung vieler früchte; Vor den und deinen schatz tröst’ und erhalte dich!

Aus diesem reise soll noch einst ein baum entstehen, Es wird noch dieser sohn ein andrer vater seyn. Drum kan der hoffnungs-stern nicht gäntzlich untergehen: So bricht durch trübe nacht gleichwohl ein sonnen-schein.

Führt aber doch der schmertz dich stets auf Leonoren? Wird noch nicht trost genung bey ihrer bahr erkiest? So denck an ihren geist, als welcher neu-gebohren, Und in der ewigkeit ein holder engel ist.

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