Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Es bringt der kleine Brief dir mehr getreuer Grüsse Als Freude sich itzund in meinem Hertzen regt Ich schwere daß ich dich recht in Gedancken
küsse Und meine Seite sich an deine Seite legt. Verzeihe Liebster Schatz doch meinen schlechten Schreiben
Daß Wort und Zeilen nicht in rechter Ordnung stehn; Wem Freud und Zuversicht die schwachen Finger treiben Dem wil die Feder nicht in gleicher Wage gehn.
Bald lesch’ ich etwas aus bald mach’ ich neue Zeilen Bald werd’ ich halb entzuckt bald schlaf ich drüber ein Bald wird die Feder faul bald wil sie fertig eilen Und heist offt einen Kleck an statt der Wörter seyn.
Ich weiß nicht wie mir ist und kan mir selbst nicht trauen Ob mein Gesichte hier den wahren Zweck erkiest? Ob meine Hoffnung auch recht feste weiß zubauen?
Ob nicht ein schlechter Dunst itzund mein Grundstein ist? Bald reiß’ ich wiederum aus diesen falschen Schran- cken
Und schaue deinen Brieff mit scharffen Augen an Umbschlüsse mit Vernunfft die flüchtigen Gedancken Weil solche Klarheit ja mich nicht verblenden kan. Ich schaue klar genug und küsse mein Gelücke
So itzt mit seiner Hand die öden Nächte stöhrt Ich spühre wiederum des Himmels warme Blicke Der dich mir auf das neu aus seiner Schoß verehrt. Was hab ich nicht bißher in Einsamkeit erlitten?
Was hat mir nicht vor Angst gesesselt Geist und Sinn? Was hat mich nicht vor Furcht zu mancher Zeit be- stritten? Daß ich wie mich bedeucht mir fast nicht ehnlich bin.
Wie hab ich manchesmahl nach deinem Abereisen Wenn ich erwachet bin die Hand nach dir gestreckt? Wie offtmahls hat ein Traum dich mir in Band und Eisen
Erschrecklich fürgestellt und denn mich aufgeweckt? Bald hab’ ich schlaffende gemeinet dich zuküssen Und meinen Jrrthum denn aus leerer Lufft vermerckt Man schaut die Menschen ja am allermeisten büssen
In dem der Mangel uns die alte Lust versterckt. Bald hat dein Hochzeit Kleid bald haben deine Ringe Die Pfänder erster Gunst mir Zähren ausgeprest Kein Mensch berichte mich wie dir es noch ergienge
Ich schrieb ohn alle Frucht nach Nord Süd Ost und West. Wenn nur ein Thor aufgieng so meint’ ich dich zu hören
Was eine Tasche trug das must ein Bothe seyn Ich ließ mich iedes Kind ja ieden Ruf bethören Und blieb doch iederzeit verwittibt und allein. Wenn ich zu Tische gieng und schaute deine Stelle
Da wir uns offt erfüllt mit Speisen Wein und Lust So ward das Zimmer mir zu einer rechten Hölle Zu Galle ward mein Wein zu Wermuth meine Kost. Der freudenreichen Lust verliebtes Angedencken
War diß so meinen Geist recht auff die Folter nahm Nichts konte mich so sehr in meinem Hertzen kräncken Als wenn dein Bildnüß mir in das Gesichte kam. Der Kinder stetes Wort: Wo muß der Vater bleiben?
War mir ein herber Stoß den meine Seel empfing Des Jammers ist zuviel ich kan dir nicht beschreiben Was vor ein harter Wind durch meine Geister ging. Jtzt ziehn die Wolcken weg mein Stern begint zu
scheinen Der Himmel streicht mein Hauß mit lichten Farben an Und er verbeut mir fast dich ferner zubeweinen
Ach daß ich dich mein Schatz nicht bald umfassen kan! Was aber schreibest du und trachtest itzt zuwissen Ob die Erlösungs Arth mir auch verdrießlich fällt? Wie solt ich nicht die Hand zu tausendmahlen küssen
So mir mein Bette füllt und dich in Freyheit stellt? Ich will sie warlich nicht nur vor ein Weib erkennen Die bloß in Fleisch und Bluth wie ich und du besteht Ich will sie ungescheut stets einen Eugel nennen
Der nur zu unserm Schutz mit uns zu Bette geht. Ich will mich ihr als Magd zu ihren Füssen legen Jhr wollen soll forthin mir ein Gesetze seyn Ich halte sie in Ernst vor unsers Hauses Seegen
Und geb’ Jhr selbst mein Hertz zu einem Zimmer ein. Wie solt’ ich thörichte die Schale nicht verehren Darauf der Himmel dich mir überreichen will? Mein Ohre soll ihr Wort wie die Gebothe hören
Für dem der Alten Volck auf das Gesichte fiel. Ich will nach ihrer Arth das Lager zubereiten Ich laß Jhr billich halb was sie mir gantz geschenckt Mein Fuß wird nur allein nach derer Wincken schrei-
ten Die mir noch unbekant doch auf mein bestes denckt. Nun kom Geliebter Schatz! des Glückes weiche schwingen
Wo nichts verderben kan umschlüsse deinen Es wolle dich erfreut in diese Stelle bringen Da dich empfangen kan Land Freunde Kind und Weib.
Es müsse Sicherheit entsprüssen auf den Wegen Dahin du setzen must den abgematten Fuß Und wo du wirst dein Haubt zuruhen niederlegen Da rege sich zugleich der Seegensüberfluß.
Es müsse dich die Kraft gesunder Luft begleiten Die Dornen müssen nicht verfälschen deine Bahn Er lasse dich gesund in meine Stube schreiten Daß auf den Lippen ich die Rosen brechen kan!
Vor Freuden tritt mir itzt das Wasser ins Gesichte Und rollet unvermerckt wie Perlen ums Papier Ich weiß du hält’st das Wort nicht etwan vor Getichte Die Silben seyn verlescht du schaust die Zeugen hier.
Dein Leitstern sey gegrüst! doch wil ich Jhrentwegen Auf kein zu grosses Bett’ immittelst seyn bedacht; Denn wird die Liebe sich mit uns zu Bette legen So wird der kleine Raum bald werden weit gemacht.
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