Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Hjlff HErr! das reine gold ist mehrentheils verschmoltzen, Und dein getreues volck nimmt augenscheinlich ab: Das los fällt in der welt nur immer vor die stoltzen, Und wer nicht mitte macht, muß an den bettel-stab.
Die priester zancken sich um abgeschmackte grillen: Jhr gantzes Christenthum ist lauter heucheley: Sie wollen lehrer seyn, und dein gesetz erfüllen; Doch ihre predigten sind nur ein leer geschrey.
Denn ihre lehre quillt aus keinem süssen brunnen, Weil in dem hertzen nichts, als gall und boßheit, steckt. Aus faulen pfützen kommt kein lebens-strohm gerunnen: Dein wort kennt keinen geist, den sünd und schuld befleckt,
Und gleichwohl müssen wir und deine diener schweigen. Herr! rotte diesen schwarm und alle heuchler aus, Die dir und deinem volck itzund zu kopffe steigen, Und immer stehn und schreyn: Hier ist des HErren haus!
Erfülle deinen bund, und rette deine kinder, Die Babels tyranney durch ihre pfaffen drückt! Und schick uns lehrer zu, durch deren mund der sünder Von seinem wege läßt und sich zur busse schickt!
Laß keinen miedling mehr bey deiner heerde wütten, Und stell uns hirten vor, die recht beruffen seyn, Die balsam auf das hertz erschrockner seelen schütten, Und der verruchten schaar mit deinem donner dräun!
Ja, HErr! du wirst es thun. Denn was dein mund versprochen, Ist nicht ein menschen-wort, das leichtlich fehlen kan. Mag doch die ketzer-rott indessen galle kochen; Sie feuren doch dadurch nur deinen eyfer an.
Du wirst uns starck genung vor dem geschmeisse schützen, Das unerträglich herrscht und unsre freyheit hemmt; Herr! laß durch deinen arm den bau der kirche stützen, Damit des satans reich nicht alles überschwemmt!
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