Skip to content
1616–1679

Der Sterbende Socrates.

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Sein falscher Geist wil immer wancken Und fust auf nichts was er erkiest Er folgt dem Gaumen bey dem Krancken Dem alles herb und bitter ist.

Mein Phädon schaue wie die Sinnen Ich red in diesem nicht zu scharff Gar bald verführet werden können Und man den Artzt auch hier bedarff.

Man findet tausend tausend Sachen Die in der Warheits Wage gehn Und da kein Mensch darff Zweiffel machen Daß sie nicht im Gewichte stehn.

Der Mangel aber der Gedancken Reist manche gute Sache ein; Dann wer begint nicht offt zu wancken? Drum trachte man recht klug zu seyn.

Ich zwar den Vortheil zu geniessen Und hinzugehn Vergnügungs voll Und ihr damit ihr stets könt wissen Wie man der Weißheit brauchen soll.

Dann weil ich heute noch soll scheiden Und mich der bleiche Todt begrüst So wil ich diesen Fürwurff meiden Als liebt ich ungereimten Zwist.

Wer liebt doch ein vergifftes Hertze dem nichts als Zänckerey behagt Und daß mit Hoffart-reichen Schertze Offt ein bestürtzt Gemühte plagt.

Muß man zu ihrer Schaar gerahten So find man eine trübe Grufft Jhr Kunst-stück ist ein schwartzer Schatten Und ihre Meinung Dunst und Lufft:

Der gantze Zweck von ihrem Wissen Ist nichts als Nacht und Tunckelheit Sie haben sich allzeit beflissen Der Farben der Betriegligkeit.

Man find sie nicht auf festen Gründen Jhn klebt Betrug und Falschheit an Damit man möchte scheinbar finden Was keiner leichtlich glauben kan.

Ich nun gehässig diesen Dingen Laß euer Sinn und Urtheil frey Und trachte nur dahin zu dringen Wo meine Meinung sicher sey.

Was soll ich euren Geist verletzen Durch ungegrünter Worte Schein? Mein Fürsatz ist mich zu ergetzen Diß soll mein Zweck und Ende seyn.

Ist diese Sache recht ergründet So hab ich gar genug gethan Wer nun allhier Vergnügung findet Der nehme sie mit Willen an.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Der Sterbende Socrates. · Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau · Poetry Cove