Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Solt an dem lichten Wunderreiche So stets befreit ist von der Nacht Der Zirck von weitem seyn betracht Er schien uns einem Balle gleiche
Der gantz mit Farben ist umlegt So grün und gelbes um sich trägt Und was sonst mehr des Phoebus Wagen Vor angenehme Farben führt;
Was den berühmten Bogen ziert Und was die Blumen um sich tragen. Diß was die weisen Mahler zeigen Und derer kluger Pinsel macht
Wie alles was sie fürgebracht Bemüht sich ihnen nach zusteigen. Doch unsre Farben sind zu schlecht Und gleichen ihnen sich nicht recht
Es muß der Schnee und Scharlach weichen Des schweren Ertzes hoher Schein Kan ihnen nicht verglichen seyn Und ihren hohen Glantz erreichen.
Viel Farben die wir kaum erkennen Die unsre Augen nie gespührt Sind hier gar reichlich aufgeführt Und müssen durch die Wolcken brennen
Die Tieffe so der Ort beschleust Da Lufft durchstreicht und Wasser fleust So von Natur hier reinlich quillet Hat ein besonder Glantz und Licht
So in die grösten Hölen bricht Und sie mit neuen Farben füllet. Alldar ist Baum und Frucht gemahlet Die Blume trotzt den Diamant
Womit das reiche Morenland Und dessen schwartzer Bürger pralet. Viel tausend Edlersteine Pracht Womit der Käyser prächtig macht
Den Purpur so den Leib bedecket Wird hier in Pusch und Wäldern seyn Als wie der harte Kieselstein Bey uns in allen Lachen stecket.
Kein Silber kan allhier bewegen Das Gold ist selbst fast wenig wehrt Die Perlen sind nicht mehr begehrt Es denckt hier keiner Geld zu pregen
Die Thiere haben gute Zeit Und sind hier aller Noth befreyt So unsre Erde hat umgeben; Man weiß hier nichts was Grab und Grufft
Es kan in dieser reinen Lufft Das Vieh bey Menschen frölich leben. Man schaut allhier viel schöne Strände So nicht der Unfall ängsten kan
Alldar des Todes Morde-Zahn Muß finden seiner Herrschafft Ende. Viel Inseln sind hier fürgestelt Denn nichts bey uns die Wage hält;
Man schaut das Meer nicht um sie gehen Hier wird kein ander Well erkiest Als eine Lufft die sauber ist Da Phöbus nicht kan schlaffen gehen.
Die nun im Lande der Gnaden Erlanget haben Bürgerschchafft Die haben grösser Stärck und Krafft Als wir mit Sterbligkeit beladen;
Jhr Grundzeug ist vortreflich gut Jhn ist die Lufft was uns die Fluth Und in dem Schlosse voller Wonne Streicht nicht ein Dunst der Schaden bringt
Was hier durch ihre Lunge dringt Ist noch viel remer als die Sonne. Jhr Ansehn Augen und Gesichte Ist weit vor unsern ausgeziert
Was man bey uns vor Künste spührt Die sieht man dort mit mehrem Lichte. Die Sinnen stehn in ihrer Krafft Die Leiber werden nicht behafft
Mit Kranckheit wie auf unser Erden Da mancher Tag uns traurig macht Es wird hier nichts herfür gebracht Dardurch die Seele blind kan werden.
Steht nun die Lufft für See und Flüssen Ehrt man den Himmel für der Lufft So wird was hier zum Leben rufft Uns mit mehr Gaben ziehren müssen
Und die den in der neuen Welt Ist Leib und Geist so wohl bestelt Und der Vollkommenheit geniessen Die schweben voller Wissenschafft
Und können des Vermögens Krafft In der Natur rechtschaffen wissen. Da sind die grossen Wunderwercke Damit der Himmel ist geziehrt
Und was man hier vor Stimmen spührt Sind Zeugnisse der Götter Stärcke Hier ist das ware Haupt-Altar Es mag der Menschen reiche Schaar
Allhier kein Opffer frey entzünden. Wer nun betritt die grosse Bahn Der sieht so offt die Götter an Als wir allhier der Menschen finden.
Hier weiß die Wolcke nicht zu decken Man kennt hier weder Schlaff noch Nacht Des Monden Licht der Sonnen Pracht Begehrt sich hier nicht zu verstecken
Das Unheil hat hier keine Stadt Man sagt hier nichts von Missethat; Die Götter sind da voll Genaden. Hier ist kein Eisen und kein Band
Hier ist kein Gifft hier ist kein Brand Die Pest weiß hier nichts mehr zu schaden. Gar viel Geleite wie man schreibet Sind hier mit Wasser angefüllt
Dadurch manch Strom mit Rauschen quillt Und durch die krummen Röhren treibet Die Gräber sind gar mannigfalt Bald enge zu bald weit gestalt
Jhr Einfall ist gantz rund zu spühren; Mit unsern treffen sie nicht ein In dem sie allzu enge seyn Und allzu tieff ihr Wasser führen.
Die Röhren so beschlossen liegen Die kriegen durch Gewichtes Krafft Tieff in der Erden einen Hafft Und müssen sich zusammen fügen;
Da endet vieler Flüsse Art Die alte Bahn die alte Fahrt Und flössen nicht wie sie geflossen. Es lenckt ein unbekanter Schlund
Hier ieden Fluß auch auf den Grund Des Quelles da er ist entsprossen. Hier ist gar bald ein Fluß zu finden Der Feuer Flamm und Schwefel führt
Bald einer der sich kaume rührt Und sich läst Eis und Winter binden; Und dieses Naß der Ewigkeit Ist gantz erfüllt mit Ungleichheit
Der fleust gantz faul ein ander schnelle Der ein ist trüb ein ander klar Und der vergleicht sich gantz und gar Mit der Sicilianer Quelle.
Da laufft der Flüsse Strom zu Hauffen Und wird gar wunderlich gemengt In dem er im Gewichte hengt Und muß in ein Gefässe lauffen
So stets in gleicher Wage steht Und nimmer auf die Seite geht. Diß Faß ist der Homerus Graben So mit der Fluth bedecket bleibt
Und diesen Kloß von sammen treibt Den sie zur Mutter scheint zu haben.
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