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1616–1679

Der Sterbende Socrates.

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Der Klumpen also aufgehäncket Hat einen grossen Raum in sich Wie dann ein ieder ohne mich Es glauben wird der es bedencket,

Wir sitzen hier um Fluß und Meer Als wie der Frösche kaltes Heer Es gleicht sich einem Ameiß-Hügel Was zwischen hier und da sich hält

Wo eine Seule dieser Welt Ein Halbgott hat gemacht zum Rügel. Man schaut in vielen andern Enden Wie es für Menschen Wohnung giebt

Und es der Erden so beliebt Bebant zu seyn von unsern Händen Man schaut daß nach Gestalt und Art Nachdem daß Wasser nimmt die Fahrt

Und diesen grossen Klupen netzet. Die Seiten werden tieff gemacht Und schöne Stellen fürgebracht Darauf des Menschen Kind sich setzet.

Ein’ Erde von viel höhern Gaben Da Freude Ruh und Friede lacht Wo nimmermehr der Donner kracht Und man nicht redet vom Begraben;

Da Glantz und Klarheit wird geschau Die ist im Himmel aufgebaut Da alle Mängel müssen weichen. Hier sind die Sternen angehenckt

Die Frommen auch dahin gelenckt Wo Trost und Lust niemals verstreichen. Das reine Lust-Schloß wie man höret Aus dieser grossen Leute Mund

Der uns den rechten Wundergrund Dergleichen hoher Sachen lehret Ist ausgezieret gantz und gar Mit der Gestirne reicher Schaar

Die diese Lufft wie Glaß durchstreichen Die gantze Welt ist ihre Bahn Sie ist bemühet daß sie kan Der Erden tieffe Schoß erreichen.

Die wir hier wie in Keltern schweben Erkennen nicht wie sichs gebührt Wann ihre Klarheit uns berührt Daß wir so tieff und niedrig leben

Und dencken daß hier unsre Stadt Den höchsten Grad zum Circkel hat So diesen Klumpen hat beschlossen: Daß die wir hier auf Erden gehen

Nun auf der höchsten Fläche stehen Mit andern Thieren so entsprossen. So meint des Tritons kalter Hauffen Der in der blauen Wunder-Fluth

Betrachtet vieler Sternen Gluth So durch den weiten Himmel lauffen Daß dieses tieffe Wasser schloß Und was sich regt in dessen Schoß

Gantz oben auf der Höhe stunde Und daß man in der gantzen Welt Zu schann des blauen Himmels-Feld Allhier die beste Stelle finde.

Sie glauben daß in ihren Wellen Die Sternen werden angezündt Und daß man keine Sonne find Als bey Neptunus scharffen Quellen.

Beschauten sie doch nur einmal Mit uns den rechten Sonnenstrahl Und könten zu uns Menschen kommen So würd ihr Jrrthum offenbahr;

Jhr Auge würde gantz und gar Durch diese Klarheit eingenommen. Wir bleiben hier in Band und Eisen Als wie ein Armer Knecht bestrickt

Weil unser Leib zu ungeschickt In höher Oerter zuverreisen. Wir gläuben daß das hohe Licht So kräfftig durch die Wolcken bricht

Mit tausend hellen Himmels-Kertzen Beruhe in der Lufft allein; Und das Gewölck und Sternenschein Von gleicher Höhe sey zu schätzen.

Doch so man durch des Windes Stärcke Nur könte seyn dahin gestelt Wo die berühmte Wohnung hält Den Auszug aller Wunderwercke

Wir machten uns auf diesen Plan Wo man die Sonne schauen kan Wann sie ihr reiches Feuer zeiget In einem Himmel dessen Schein

Der Sterne Licht wil gleiche seyn Dahin auch kein Gewölcke steiget. Wann wir von dieser Freuden-Spitze So über alle Donner geht

Da Ehre Lust und Freude steht Uns kehrten zu dem alten Sitze Wir würden schamroth vor der Zeit Und in dem Geiste hoch erfreut

Von wegen dieser hohen Sachen; In dem ja Silber Gold und Geld Allhier nicht mehr die Wage hält Und uns bewegen zu de

Wann nun die Fisch aus ihren Wellen Da manch Orcan ein Spiel erweckt Und auch Neptunen selbst erschreckt Sich zu den Menschen solten stellen;

Wann sie aus dieser nassen Bahn Da Saltz und Schaum regiren kan Zu dieser Wohnung solten kommen Sie liessen auch die Freude aus

Als wenn wir schauten dieses Hauß Davon das Weltlicht Glantz genommen. Der Marmel so die Wand umkräntzet Der Stein so unsre Finger ziehrt

Was Indien im Busen führt Und in der Berge Därmen gläntzet; Mit kurtzem was so treflich gilt Den Sack und unsere Sinnen fült

Und unsern Geitz hat angezündet Ist nun für Rauch und Sand geschätzt Demselben Kleinoth beygesetzt So in der Götter Burg sich findet.

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