Skip to content
1616–1679

Der Sterbende Socrates.

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Und wann sie durch den Todt sich von dem Leib erhebet So merckt man wie um sie viel Dunst der Reden klebet Und in den Ort nicht kan der Gottes Wohnung heist Man schaut den Matten Flug hier um die Erde schweben

Es sucht manch faules Grab ein solcher Flattergeist Und wünscht den alten Leib aufs neue zu beleben. Wann nun der Jahre keins die letzte Zeit gebührt Das in ein neues Hauß sie wieder wird geführt

So muß sich ihrer Art auch ihre Wohnung gleichen. Gewisser Thiere Leib muß ihre Wohnstadt seyn Die grobe schauet man in einem Esel schleichen Und kommet in den Tag zu leiden Angst und Pein.

Die so sich stets gezanckt und Rauberey geliebet Mit falschem Hertz und Hand den Nechsten hat betrübet Die zeigt sich wiederum in Habichts Raubgestalt Sie rauschet in der Lufft und suchet was zu fassen

Sie lächst nach Todten-Aaß durch Berge Thal und Wald Und suchet was die Hand des Schinders hat verlassen. Die sonsten nichts geliebt als Schüssel Glaß und Wein Die krieget für ihr Hauß ein Unflat-volles Schwein

Und liebet auch allhier was sie zuvor geliebet Sie lernet nimmer mehr was Kummer in sich hält Sie übet itzt nichts mehr als was sie vor geübet Ein Abtritt lockt sie mehr als ein begrüntes Feld.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Der Sterbende Socrates. · Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau · Poetry Cove