Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Die Seele so den Flug recht nach dem Himmel lencket Wird destoweniger durch Schwerigkeit gekräncket Je mehr sie von der Last des Leibes abgelegt Sie treibet flüchtig hin zu ihren alten Quellen
Jhr wolgeführter Lauff wird itzt durch nichts bewegt Und ihren Fürsatz weiß kein Zufall umzufällen. Sie liebet einen Zweck der unser Auge blend Jhr gantzes Tichten ist auf Wissenschafft gewend
Jm Blute wohnet sie und läst sich Blut nicht leiten Sie bleibet fest und steiff auf ihrer glatten Bahn Sie fleucht das faule Fleisch besteckt auf allen Seiten Und zeiget wie kein Sinn sie recht verleiten kan.
Und weil man sie also gantz eingezogen spüret Von der Verdrießligkeit des Leibes unberühret So nimmt sie nichts mit ihr wann sie von dannen zeucht Begierde Liebesbrunst mit Torheit Angst und Schrecken
Ja alles was sonst mehr nach dem Geblüte reucht Das läst den faulen Leib sich einiglich bedecken. Wann sie nun klar und rein den Himmelsport erreicht In dem der bleiche Todt nicht seine Netze streicht
So schauet man um sie viel Ehren-Cronen scheinen Die Götterreiche Schaar vertreibet ihr die Zeit Und was kein sterblicher mit Warheit kan verneinen Jhr Wolstand dringet tieff hin in die Ewigkeit.
Die aber so den Sinn ihr hat zur Lust erlesen Die Seele der die Zucht ein Hencker ist gewesen Und der die Wissenschafft nur Schrecken hat erweckt Die nur mit Fleisch und Blut ein Bündniß hat gemachet
Und welcher Nichtigkeit sich auch so weit erstreckt Daß sie in grosser Lust der hohen Freundschafft lachet; Die in der Sinnen Schoß nun viehisch worden ist Die hat gar selten hier was löbliches erkiest
Sie lieget gantz erstarrt durch schnödes Fleisch erstecket Die Wollust machet sie durch ihr Geträncke voll Und dieses was bey ihr den Thränen-Bach erwecket Ist daß sie nun die Burg des Leibes meiden soll.
Dieweil ihr Wesen nun im Fleische gantz ersoffen So hat sie auch gewiß viel Freyheit nicht zu hoffen Und wird sie endlich gleich dem Leibe gantz entrückt So weicht ihr aller Glantz dieweil ihr Licht verlohren
Ja weil die schwere Last sie auch noch immer drückt So trifft sie nicht die Bahn so sie ihr hat erkohren. Erreicht sie endlich nun des Himmels reine Bahn So schaut man wie die Lufft sie gar nicht leiden kan
Als die den groben Dunst nicht leichtlich kan ertragen Daß man dergleichen Geist wie es der Wind erkiest Nicht selten in der Welt schaut um die Gräber jagen Und so der Todten Schutz der andern Schrecken ist.
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