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1616–1679

Der staats-mantel, oder die einbildung.

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Es ist ein wort bey den gelehrten, Das heisset man Als solches meine freunde hörten, So fragten sie: Was heist denn so?

Ich sprach: Ich wills euch kürtzlich sagen, Es heist ein mantel auf latein, Den alle solche leute tragen, Die in der welt was groses seyn.

Den mantel trugen schon die alten, Denn dieses war ihr ehren-kleid: Die nach-welt hat die tracht behalten, Und diese währt biß diese zeit.

Der mantel decket alle mängel, Und weil sich mancher drein verhüllt! So kommt es, daß gar offt ein pengel So viel, als ein gelehrter, gilt.

Wie mancher gilt mit seinen lehren So viel, als ein propheten-kind: Er lässet keine worte hören, Die nicht, als wie orackel sind:

Er ist, wie dort der hohe priester: Die welt erschallt vor seinem ruhm; Und meritirt kaum einen küster: Das macht, er hat den mantel um.

Ein ander, der das recht verstehet, Der tritt, als wie ein gott, herein, Und wenn man nur von weitem gehet, So muß der hut herunter seyn;

Ach! solte man den mantel rauben, Der seine schande decken muß, So würde man wahrhafftig glauben, Er wäre kaum

Manch medicus lebt sehr bequeme, Und macht die kasten ziemlich schwer: Man dächte, pest und hunger käme, Wann dieser nicht zugegen wär;

Doch öffters trifft man in den messen Wohl einen land-betrüger an, Der hat so viel, als er vergessen: Drum sehet, was der mantel kan.

Wohlan! bey so gestalten sachen Schmählt auf die neue kleidung nicht: Es läst kein mensch ein neues machen, Weil es das alte noch verricht;

Wir sind den vätern nachgeschlagen, Die kinder machens eben so: Den mantel, den wir alle tragen, Der heist und bleibt

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