Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Herr! schaue, wie die feind in deinem erbe toben! Dein berg, o Heiliger! dein tempel ist entweihte Die stadt Jerusalem ein bild der eitelkeit: Der frommen leichen sind aus ihrer grufft gehoben.
Man wirfft die heiligen den tollen hunden vor, Und das vergoßne blut schwimmt biß an Salems thor: Der todten-cörper meng erfüllte feld und gassen, Und niemand war allda, der sie begraben lassen.
So müssen wir ein spott der stoltzen nachbarn werden: Die ungeheure schmach steigt über unser haupt: Die ehre Zions liegt, die cronen sind geraubt: Herr! lindre doch einmahl die schrecklichen beschwerden!
Wie lange soll dein zorn, als wie ein feuer, glühn? Laß über Babylon das ungewitter ziehn! Und brich auf diese los, die deiner stets vergessen, Jerusalem verheert, und Jacob aufgefressen!
Vergiß der alten schuld, und zeig uns dein erbarmen! Du siehest allzuwohl, wie wenig unsrer sind. Hilff, treuer helffer! hilff! Denn Jsrael, dein kind, Weiß keine zuflucht mehr, als, GOtt! zu deinen armen.
Rett uns, damit dein ruhm und nahmen ewig steht! Rett uns, damit dein lob in Salem nicht vergeht! Und laß der sünden-bruth, die dich, o Höchster! kräncken, Durch deine hohe gnad ins meeres abgrund sencken!
Ach! warum wilst du nicht der heyden mäuler stopffen? Die dir zu trotze schreyn: Wo ist nun euer GOtt? Herr! räche doch vor uns den allergrösten spott, Das abgefloßne blut, und unsre thränen-tropffen!
Laß der gefangnen ach nicht ohne kräffte seyn! Halt das gezückte schwerd der rauhen mörder ein! Und laß der nachbarn kopff, die deinen nahmen äffen, Den angethanen schimpff noch sechsmahl schärffer treffen!
Wir aber, die wir dich als einen vater lieben, Und in der tieffsten angst auf dich alleine sehn, Wir, denen freud und lust itzund den rücken drehn, Erheben deinen ruhm, weil unsre seelen gieben.
Wir wissen: Daß du uns nicht gäntzlich unterdrückst, Und, als ein treuer hirt, einst deine schaf’ erquickst. Drum wollen wir dich auch, wenn du der feinde toben Zu boden legen wirst, mit stetem dancke loben.
Cookies on Poetry Cove