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1616–1679

Der auf eine zeit glücklich verunglückte.

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Weich dem verhängniß itzt, du mehr als tapffrer mann! Laß den ergrimmten neid nach seinen willen toben! Denn eben dieses sind der tugend wahre proben, Die glück und unglück sieht mit gleichen augen an:

Die, wenn gleich alles sich will wider sie erregen, Doch im geringsten nicht läst ihren muth bewegen. Erfahrung und verstand hat dir ja längst entdeckt, Wie nur des hofes luft auf lauterm eise leite,

Und offtmahls sonder schuld ein fallen zubereite, Wenn ihre falsche kost am allerbesten schmeckt. Hier will die sonne nicht stets sonder wolcken scheinen: Der, so den morgen lacht, muß offt den abend weinen.

Daß auch nicht allezeit herr, oder vaterland, Mit gleicher danckbarkeit bezahle müh und wunden, Die mancher braver held nur blos um sie empfunden, Als er sein tapffres blut in ihren dienst verwand;

Das würde, wenn er nur anitzo noch am leben, Uns der ‒ ‒ ‒ ‒ ein wahres zeugniß geben. Wie manchem wird gelohnt, als ob er mit verrath, Mit untreu, trug und list, sich überall beschmützet,

Der doch der unschuld selbst in ihrem schose sitzet, Und nichts denn reine treu erwiesen in der that. Hier ist Parmenio, und zeigt die mörder-wunde, Die vor den langen dienst er sonder schuld empfunde.

Was that nicht Mutius, als mit der rechten hand Jm auge seines feinds er jeue flamme nehrte, Die zwar derselben fleisch, doch nicht den ruhm verzehrte, Den ruhm, der sonder schlacht den feind hier überwand.

Den feind, der sich getraut viel reiche zu bekriegen, Kan blos ein Mutius mit seinem muth besiegen. Nun dieser nahm die hand; du nimmst den ehren-ruhm, Und lernest ihn anitzt die feuer-proben kennen:

Jtzt muß er in der gluth der grösten neider brennen; Doch bleibt die reinigkeit sein stetes eigenthum. Dein felsen-fester mund wird seinen lorbeer finden, Und mehr, denn Mutius, die neider überwinden.

Dein unfall zwinget dir die hohen geister ein: Durch großmuth und geduld wirst du gewißlich schauen, Wie dir dein eigner feind wird ehren-staffeln bauen, Und wie sein untergang wird dein erhöhen seyn;

Wie er noch selber sich wird durch sich selbst entkräfften, Und deinen ehren-preis hoch an die wolcken hefften. Man hört nicht allezeit des wetters harten schall: Es will der schnelle blitz nicht stets die lufft durchstreichen:

Und vor der sonnen muß der dicke nebel weichen: Das wieder-auferstehn erfolget auf den fall; So wird ein hoher glantz durch trübe wolcken dringen, Des unfalls schwartze nacht und finsterniß bezwingen.

Die tugend, wie man weiß, verbleibet ein magnet Des neides, welchen sie beständig nach sich ziehet, Und, dessen los zu seyn, sie sich vergebens mühet: Dieweil er stets mit ihr in gleichem wachsthum steht.

Je mehr mit ehr und ruhm wir unsern wandel schmücken, Je strenger pflegt der neid die pfeile los zu drücken. Die sterne leuchten nur am schönsten bey der nacht: Die morgen-röthe wird aus finsterniß gebohren;

Mit nichten hat dein ruhm den alten glantz verlohren, Weil diese trübe zeit ihn immer klärer macht. Er hat der palmen last sich wollen einverleiben, Je schwerer ihre last, je höher sie sich treiben.

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