Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Als neulich Lälia vor ihrem spiegel stund Und bald die augen ließ auff ihre marmol-ballen Bald auff der wangen pracht und ihren purpur-mund Bald wieder auff den schnee der rundten nase fallen;
Da warff sie voller zorn den spiegel aus der hand Und sprach: Was helffen mich die rosen meiner wangen? Was nutzt der rothe mund? was meiner augen brand? Wenn mund und nase nicht in gleicher zierde prangen.
Geh lügner bilde mir nur keine schönheit ein Denn meine nase macht daß ich mich muß betrüben Weil heut ein frauenbild soll nach der mode seyn Und kaum der tausende kan grosse nasen lieben.
So klagte Lälia und sanck vor grosser qvaal Auff einen lager-zeug von schwanen-federn nieder. Indessen brach der zorn der augen hellen strahl Der eyfer theilte sich durch alle leibes-glieder
Und endlich fieng der mund mit diesen worten an: So hör ich ärmster wohl wir sollen alle büssen Daß die natur zu viel an Lälien gethan Und ihr die nase nicht nach frantzen-art gerissen.
Ich habe längsten schon der sachen nachgedacht Warum die küsse sich so sparsam eingefunden So hat das lumpen ding die nase bloß gemacht Daß mir bey männern auch ist alle gunst verschwunden.
Beschimpfftes nasenloch! wie reimt sich nacht und schein? Wie schickt sich mist und koth zu purpur und rubinen? Und dennoch soll dein schlam der liebe zunder seyn Und Lälien ihr ruhm aus deinem rotze grünen.
Er hätte noch weit mehr vor eyffer ausgespien Gleich aber fiengen auch die augen an zu plitzen Und sprachen: Unsre glut soll eisen an sich ziehn Die sonne selber muß vor unsren flammen schwitzen;
Und darum haben wir offt thränend angesehn Warum doch lieb und gunst so selten auff uns blicket? Warum die meisten offt als stumme bilder gehn Und mancher flegel kaum das schmale hütgen rücket.
Nun aber hat die zeit den knoten auffgelöst; Denn wie der sonnen glantz wenn wind und wolcken steigen Die strahlen nur umsonst aus seinem zirckel stöst Und auch bey voller glut kan keinen schimmer zeigen
So brennet unser feur auch nur vergebens an: So lange Lälia der nase will erlauben Daß sie den freyen lauff uns unterbrechen kan Und unsrer sonnen-glut mag licht und flamme rauben.
Wolt ihr nun dieses nicht was unsre kräffte drückt Ihr glieder ingesamt mit eurem schimpffe leiden So schafft daß Lälia bald nach dem artzte schickt Und ihr das dritte theil läst von der nase schneiden.
Ha possen! fielen hier die wangen ihnen ein Daß unser frühlings-feld soll vor der zeit erbleichen Daß thau und zucker nicht vor unsre rosen seyn Und uns die liebe nicht will sanffte pflaumen streichen
Gibt eurem schmertze wohl ihr augen wenig nach; Daß aber Lälia soll euren rath vollstrecken Wird ihrer marmol-haut nur wieder fleck und schmach Uns aber allerseits nur neuen schimpff erwecken;
Aus wunden schnitt und blut qvillt warlich schlechte cur; Ein artzt ist nicht genug hier mittel auszutheilen; Denn grosse nasen sind ein fehler der natur Und lassen sich nicht so wie junge kälber heilen.
Wohlan! versetzte drauff die auffgeschwellte brust So muß man gleichwohl auch ein mittel ausersinnen; Denn daß mein zucker-eiß soll ohne brand und lust Und dieser perlen-schnee ohn alle glut zerrinnen
Will mir und meiner haut noch keines weges ein. Ein berg muß seine krafft aus thau und sonne saugen Ein schöner garten muß stets voller hände seyn Und äpffel die nur blühn und nicht zu brechen taugen
Sind keiner augen werth. Ist nun mein liebes-feld So wie ihr alle wißt mit bergen zu vergleichen Wo schwimmt der balsam-thau der ihre krafft erhält? Wo läst mein sonnen-schein die süsse strahlen streichen?
Sind meine früchte reiff? wo bleibt die edle hand? Die mir den zucker soll von meinen äpffeln lesen Und zeigen daß mein grund nicht ausgedorrter sand Und meine spitzen nicht von stein und holtz gewesen?
Ich schwere bey der krafft die dieser purpur führt Und solt ich einen gleich aus Engeland verschreiben Daß doch ein garten eh’ von händen unberührt Als meine liebes-frucht soll ungebrochen bleiben.
Doch weil der schaden hier mich nicht alleine trifft So hab ich dieses nur euch allen vorzutragen Daß unser gantzer wunsch auff trübem sande schifft Wo wir die nase nicht beym Jupiter verklagen.
Ey! nicht beym Jupiter bey leibe sprach der mund: Verliebte können nicht von liebes-fehlern richten; Die liebe Jupiters ist allenthalben kund Wie soll sein blinder geist denn unsre händel schlichten?
So soll Apollo denn hierinnen richter seyn Erwiederte die brust: denn klugheit recht und leben Diß alles trifft bey ihm in gleicher wagen ein Und wird nach seiner art den besten ausschlag geben.
Hier fielen sie der brust mit vollen stimmen bey; Wer aber fiengen bald die augen an zu fragen Tritt unter uns hervor der am beqvemsten sey Die klage förmiglich dem richter vorzutragen?
Ich sprach der bleiche mund; denn weil mein corallin Vor grosser hitze fast in stücke will zerspringen So werd ich desto mehr mit reden mich bemühn Und bey dem richter scharff auff frische kühlung dringen.
Es sey drum huben drauff die wangen wieder an Vergiß nur aber nicht den schaden einzuschliessen Den uns das plumpe loch der nasen angethan Und unsre liljen noch mit ihrem schimpffe büssen.
Was unsrer sonnen-glantz vor grosse wunder schafft Das weist du selber wohl versetzten hier die augen: Denn ein verliebter geist muß seine lebens-krafft Und seiner flammen oel aus diesen ampeln saugen.
Drum präge dir den punct vor allen dingen ein Daß wir nur todten plitz aus unserm himmel schiessen So lange die natur nicht Lälien befreyn Und ihr die nase muß in andre formen giessen.
Ha! sprach die schöne brust hält dieses auch nicht platz So wird mein marmol-blick doch deine zunge schärffen; Denn wo diß paradieß wo dieser garten-schatz Die lebens-früchte soll der fäulung unterwerffen
So mögt ihr auch nur bald nach eurem grabe gehn. Denn was der strenge plitz der muschel-runden augen Was mund und wange heißt in tausend flammen stehn Muß wieder perlen-milch aus diesen äpffeln saugen.
Ich brauche sprach der mund so vieler lehren nicht. Schickt nur zum richter hin und laßt die nase laden; Denn red ich ärmster nicht nach meiner schuld und pflicht So wird der ausgang mir am allermeisten schaden.
Drauff ward den augenblick das ruder fortgerückt Und das erzörnte schiff in freye see getrieben; Apollo nahm es an. Die nase ward beschickt Und eine tagefahrt zum klagen ausgeschrieben.
Als nun der liebe tag nach vieler angst erschien Und schon Apollo war auff seinen thron gestiegen Von dem hier diamant dort jaspis und rubin Auff das gefammte volck ließ tausend blicke fliegen:
Als sag’ ich sich nunmehr die kläger eingestellt Kam endlich auch zuletzt die nase vorgetreten Und hatt’ ihr weil ein weib im reden leicht verfällt Der Venus kleinen sohn zum beystand auserbeten.
Sein leib war diesesmahl mit sammet angelegt Die hand trug buch und sehrifft vor köcher pfeil und bogen Auff jenes war das bild der mutter abgeprägt Und dieses war zur pracht mit scharlach überzogen.
Als diese auch geschehn da trat der mund herfür Und brachte voller zorn sein eyfriges verlangen Mit diesen worten an: Gerechter fürst vor dir Erscheinen wir anitzt mund auge brust und wangen
Und klagen ingesammt: Was massen die natur Als die der Lälien die geister eingegossen Und milch und honigseim in ihre lippen fuhr Zwar endlich ihren leib mit grosser kunst geschlossen;
Als aber nach der zeit die glieder sich gestreckt Hat sich die nase dort ie mehr und mehr erhoben Biß sie der augen licht wie nebel überdeckt Und wie ein fichten-baum in kurtzem auffgeschoben.
Wann dann nun scheinbar ist daß diese frevel-that Uns allen bey der welt zum schimpffe muß gereichen In dem mein carmasin sich fast verfinstert hat Und meiner rosen-blut vor kummer will erbleichen;
Indem der augen plitz vergebens sich bemüht Durch strahlen reiner gunst ein treues hertz zu fangen; Der purpur nur umsonst auff beyden wangen blüht Und schon die brüste selbst mit leerem kocher prangen;
Indem wir kurtz gesagt der männer lust-spiel seyn Und tausendfachen schimpff auch sonder ursach leiden Wenn sie nach ihrer art uns überall beschreyn Man könte speck und wurst von unsrer nase schneiden:
Als suchen wir bey dir Apollo schutz und rath Und bitten ingesammt in rechten auszusprechen Daß gleich den augenblick von wegen dieser that Beklagte möge sich der Lälien entbrechen
Biß daß ihr die natur den fehler ausgewetzt Und das verwachsne fleisch vom neuen umgegossen; Sie aber uns wie recht den schaden hat ersetzt Der uns so lange zeit aus ihrer haut geflossen.
Cupido fieng hierauff mit diesen worten an: Vor dir Apollo ist die nase hier erschienen Und dingt ihr alles aus was etwan künfftig kan Ihr als beklagten noch zu ihrer nothdurfft dienen.
Nechst diesem hat sie itzt mit mehrerm angehört Was massen gegentheil zu klagen sich nicht schämet Ob hätte sich ihr fleisch so freventlich gemehrt Daß es den augen selbst den freyen lauff gelähmet
Den annoch rothen mund um seine rosen bracht Den wangen und der brust die liebes-krafft benommen Und endlich gar zuletzt durch seinen schimpff gemacht Daß sie bey männern auch um ihre wohlfahrt kommen.
Nun stellt beklagte diß zu freyem urthel dar: Ob grosse nasen stets der augen glantz verrücken Indem ja wohlbekandt und allzu offenbar Daß jungfern mehrentheils nach grossen nasen blicken?
Und herentgegen offt sich mancher stümper qvält Daß er in lieb und pein muß ohne kühlung brennen Weil seinem kopffe bloß ein grösser näßgen fehlt Und ihn die jungfern noch vor keinen mann erkennen.
So will sie auch nicht erst zu forschen sich bemühn Ob nicht ein einig wort die lippen offt vergällen Ein eyfrig wange kan aus sonne regen ziehn Und ein erzürnter blick den gantzen leib verstellen.
Bringt aber dieses nur entgegen-schützend ein Daß klägere sich bloß aus übermuth beschweren Daß sie in keiner gunst bey jung gesellen seyn Und ihre lebens-krafft durch stille glut verzehren.
Immassen sich denn schon die zeugen eingestellt Die ehmahls Lälien den rücken halten müssen; Wenn Polidorens mund zu ihrem sich gesellt Und seine seele ließ in ihrem purpur fliessen.
So ist zum andern falsch und irrig angebracht: Ob müsten gegentheil der männer urtheil leiden Und würden öffentlich durch diesen schimpff verlacht: Man könte speck und wurst von ihrer nase schneiden.
Denn wie das gringste wort nicht zu erweisen steht. So ist ja drittens falsch und freventlich ersonnen Daß sich die nase mehr als rechtens ist erhöht Und wider die natur zu grossen platz gewonnen
Indem sie uneracht schon mercklich dargethan Daß alle klagen sich auff schwache steltzen gründen Auch noch durch diese schrifft mit ruhme zeugen kan Daß Venus selbst an ihr kan keinen tadel finden.
Weil denn nun sonnenklar aus obigen erhellt Daß mehrgedachtes theil mund auge brust und wangen Weil etwan Lälien der spiegel nicht gefällt Aus blossem übermuth zu rechten angefangen;
Und aber dieser schimpff beklagter ehre kränckt Und ieder kerl auff sie das maul noch würde rümpffen; Hingegen die natur und alles recht gedenckt Daß keiner andre soll an seinen ehren schimpffen.
Als fleht Apollo sie dich gantz gehorsamst an Und bittet klägere nicht lassen abzutreten Biß daß sie allerseits den schaden gut gethan Und ihr hier öffentlich den frevel abgebeten.
Was aber gegentheil deßwegen würdig sey Diß alles will sie dir als richtern überlassen Und stellet grosser fürst es deinem willen frey Was du vor straffen denckst im urthel abzufassen.
Wir bleiben (warff der mund dagegen wieder ein) Bey dem was wir bereits mit mehrerm vorgetragen Und würde wohl so schwer nicht zu behaupten seyn Daß grosse nasen offt bey männern fehl geschlagen;
Doch weil beklagte sich auff blosses nein gelegt Und ihre mängel denckt mit worten auszuschmieren So sind wir was die stadt von ihr zu reden pflegt Auch allerseits bereit durch zeugen auszuführen.
Cuvido sprach hierauff: Beklagte nimmt es an Und bittet selber nur die zeugen vorzulassen. Gleich ward den augenblick ein rauchfaß auffgethan Vor dessen reiner glut die sterne selbst erblassen.
Inzwischen stellten sich zwey menschen-ohren dar Apollo aber rieff: Ich schwere bey den flammen; Macht heut’ ein zeuge nicht die wahrheit offenbahr Daß er sich selber soll zu feur und glut verdammen.
Und hiemit fieng er an: Wem steht ihr ohren zu? Der schönen Lälie versetzten ihm die ohren. Was störet sprach er: denn der Lälien die ruh Und warum hat ihr mund der schönheit glantz verlohren?
Streut etwan haß und neid vergällte reden aus? Ach nein! Begegneten ihm hier die ohren wieder: Der Lälien ihr muth ist wie ein lorbeer-strauß; Und legt die zweige nicht vor plitz und donner nieder.
So muß denn fuhr er fort ein leibes-mangel seyn Um den sich Lälie muß ingeheim betrüben? Ach! fielen ihm hierauff die ohren wieder ein: Welch unmensch solte wohl nicht ihre glieder lieben?
Welch Momus hat iemahls hier fehler ausgesetzt? Und wer will der natur noch fuscher striche weisen Wo selber Polidor die farben hochgeschätzt. Und tausend andre noch das meister-stücke preisen?
Und gleichwohl sprach er soll die nase nicht bestehn Ha! widersetzten sie die leute sind betrogen: Weil neulich Lälia sich ohngefähr versehn Und durch ein falsches glaß ihr selber vorgelogen.
So ist sie fragt er fort von allem tadel frey? Von allem sprachen sie; und wer es nicht will glauben Und trifft daß Lälia deswegen traurig sey Der mag uns wie er will auff tausend foltern schrauben.
Drauff traten beyderseits nach seinem wincken ab Und ward den augenblick der gegenpart befohlen Sie solte weil es noch weit mehr zurichten gab Zu besserm unterricht auch ihre zeugen hohlen;
Gleich aber brachte sie Cupido schon geführt Und war ein grüner stul und zinnern hand-gefässe. Nun dachte iedermann er hätte sich vexirt Und das sein tummer kopff auff narren-balcken sässe:
Als aber bald darauff Apollo sie besprach Und fragt: Ob beyderseits die Lälie wohl kennten? Da ließ ein ieder auch im lachen wieder nach Als ihm der grüne stuhl mit hundert complimenten
Dis zu der antwort gab: Ach! kennt ich diese nicht So wäre nicht zur zeit mein pulster eingedrücket; Denn eben sie hat mich so schändlich zugericht Wenn sie den Polidor durch küssen gantz entzücket
Den rundgewölbten mund in seinen mund gesteckt Der lippen süsse milch wie kinder angesogen Der wangen liebes-schnee wie zucker abgeleckt Und seinen schwachen geist dem hertzen nachgezogen.
Und kennt ich diese nicht fieng auch das handfaß an So wäre nicht mein zinn so voller holer ballen; Denn wenn ihr offters schon der rücken weh gethan Und sie vor küssen fast in ohnmacht wollen fallen;
So hab ich ärmstes denn die stütze müssen seyn. Ach! würde mir so viel nur wasser eingegossen Als täglich Lälien ambrirter liebes-wein Von Polydoren ist in ihren mund geflossen
Hier traten sie zurück. Und sprach Cupido drauff Nun sieht man wo der grund der klagen ist geblieben Doch weist beklagte noch auch dieses zeugniß auff Daß ihr die Venus selbst mit eigner hand geschrieben.
Aus diesem buche wird ein ieder aber sehn Wie Läliens gesicht und Polidor sich küssen Wie artig mund auff mund zusammen buhlen stehn; Indem die muter sie hierinnen abgerissen.
Hier übergab er nun dem richter schrifft und buch Wer aber war wohl mehr als Lälia gewesen? Apollo löste selbst das rothe scharlach-tuch Und gab die edle schrifft wie folget abzulesen:
Wir Venus zeugen hier mit unsrer eignen hand Daß wir die Lälie vor völlig schön erkennen; Und machen durch diß blat der gantzen welt bekandt Daß
Drauff sah er in das buch auff Polidorens mund Und sprach: wir solten wohl nun straff und urthel häuffen: Allein durch dieses thut die liebes-göttin kund Daß sich kein andrer soll an Lälien vergreiffen.
Nun aber kan ja nicht die straffe so ergehn Daß nicht auch Lälia den schaden müste büssen: Denn wo die glieder schon in blut und thränen stehn Da kan das hertze nicht in muscateller fliessen.
Genug daß Venus selbst die nase schön erkannt; Und darum sollen sie der straffe seyn entnommen Biß daß ihr Polidor aus Hol- und Engeland Wird wieder voller lust zu seiner sonne kommen.
Inzwischen soll hiemit euch fest befohlen seyn Daß ieder künfftig wird dergleichen schimpff vermeiden; Im fall er nicht von uns gerechte straff und pein Und tausend urthel will von Polidoren leiden.
Zuletzt bringt Lälien noch diese lehren heim: Daß auch die klügsten wohl in ihren augen fehlen Und kinder offtermahls vor butter honigseim Die jungfern aber offt vor rosen dornen wählen.
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