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1616–1679

Das zwölffte capitel.

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Wohl uns, wenn creutz und angst uns in die schule führen! Denn also lernet man fein in sich selber gehn. Wie übel dürfft es itzt um dem Manasse stehn; Hätt’ ihn der Höchste nicht durch so viel jammer-thüren

Zur buß, und durch die buß aus der verdammten nacht Der höllen, an das licht der seeligkeit gebracht. Jm glücke wird der mensch sein elend selten inne: Man sieht der erden schätz als unvergänglich an;

Dämpfft aber creutz und pein den vorgefaßten wahn, So sieht man sonnen-klar: die welt sey eine spinne, Die falsch gewebe wirckt, ihr himmelreich ein traum, Und unser hoffnungs-grund ein leichter meeres-schaum.

Es ist sehr gut für uns, wenn manchmal rohe leute Jhr falsches läster-gifft auf unsre tugend speyn. Der ehrgeitz nistet sonst leicht in den hertzen ein. So aber tragen wir der demuth gold zur beute,

Von der verläumdung weg. So ist ein bittrer feind Uns manchmal nützlicher, als ein geneigter freund. Die unverdiente schmach versetzet durch ihr stürmen Des eyfers lauen trieb in eine volle glut:

Denn wenn uns alle welt gewalt und unrecht thut, Und niemand reden will, die unschuld zu beschirmen; So nimmt man GOtt allein, der alles sehen kan, Und unser hertze kennt, zu seinem zeugen an.

Ach! daß wir uns nicht gantz in GOttes schutz begeben Und in die einsamkeit des sichren felsens fliehn! So würden wir uns nicht um menschen-trost bemühn, Und mit den lippen noch an faulen pfützen kleben.

Weil da der lebens-brunn aus offnen fieinen qvillt, Und den empfundnen durst der dürre seele stillt. Indessen läst sich doch die gnade nicht ermüden, Bis das gemüthe sich ihr völlig übergiebt;

Denn wer aus schwachheit noch die creaturen liebt, Dem nimmt sie unversehns den äuserlichen frieden, Und was der arme mensch zu seinem trost erkiest; Dann sieht der arme mensch, daß alles eitel ist.

Denn giebt er gerne zu, daß ausser GOttes güte Kein brunn des friedens ist. Dann leidet er, und schreyt Mit brennnender begierd: O geist der ewigkeit! Wenn ist es aus mit mir? Wenn werd ich einst die hütte

Des leibes, und der angst des eitlen lebens los? Ach komm und nimm mich auf in deine frieden-schoos!

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