Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Njmm dich genau in acht! man muß nicht alles glauben, Was der gemeine ruff von unserm nächsten spricht. Die spinne setzt ihr gifft auch auf die reinsten trauben. Wer kennt den leichten sinn des frechen volckes nicht?
Drum siehe dich wohl vor, und denck an GOttes willen, Der dich zur lieb ermahnt, und nicht zum richter macht: Denn ob die wenigsten gleich sein gebot erfüllen, So gieb doch, weil du kanst, der schwachheit gute nacht.
Wo das nur schwachheit ist, wenn eine böse sage Vom nächsten, mehr bey uns, als eine gute gilt. Leg alles, was du hörst, bedachtsam auf die wage, Und wisse, daß man offt die unschuld selber schilt.
Du must dem bruder nicht sein wort zu poltzen drehen. Der Liebe mantel deckt viel solche fehler zu. Was jenem wiederfuhr, kan auch von dir geschehen, Der angebshrne fall läst uns doch wenig ruh.
Die beste klugheit ist: Bedächtig seyn und leben, Und niemals allzusteif auf seinem kopffe stehn. Man muß den leuten nicht durchgehends glauben geben, Noch mit den zeitungen durch alle straßen gehn.
Bekümmre dich vielmehr um dich und deine sünden, Als um des nachbars thun, weil du dir näher bist; Wiewol du wirst vor dich dein hertze nicht ergründen, Des menschen eigenlieb’ ist voll verborgner list.
Darum vertrau dich GOtt, und einem weisen freunde, Der ein geläutert hertz und viel erfahrung hat. Fleisch, welt und eigensinn fleuch, als die ärgsten feinde, Und suche nirgends sonst, als nur bey frommen rath.
Wer also thut und lebt, der wandelt klug und sicher. O seele! wandle doch den wahren tugend-lauf. Ein GOtt-gelaßner geist bedarff nicht erst viel bücher, Denn GOtt thut ihm das buch vollkommner weisheit auf.
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