Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
So bald der schwache mensch dem hitzigen verlangen Des blinden fleisches folgt, so geht die unruh an. Denn hoffart, lust und geitz sind drey vergiffte schlangen, Vor denen, wo sie sind, kein friede wohnen kan.
Wer aber arm am geist und niedrig am gemüthe, Nach Christi willen ist, der kommt zur wahren ruh. Denn solchen dürfftigen wirfft GOttes reiche güte Den unvergänglichen und sichern frieden zu.
Ein mensch, der sich noch selbst nicht völlig überwunden, Thut den versuchungen gar schlechten widerstand; Wenn der begierden macht nur mit ihm angebunden, So haben sie ihn auch schon wieder in der hand.
Denn wer dem geiste nach nicht satsam zugensmmen, Und mit dem hertzen noch sehr an dem fleische hengt, Dem fällt es allzuschwer den lüsten zu entkommen, In deren abgrund er mit vollem zügel sprengt.
Gesetzt, er lasse sich das wort der gnade halten, So wird er doch betrübt, daß er gehorchen soll. Ein lauer eifer kan im augenblick erkalten; Drum wache, kämpff und bet’, und überwinde wohl.
Wilst du dich aber nicht in GOttes ordnung schicken, Und zörnest über dem, das dir im wege steht, Schlägst du des Geistes joch und sauffte band’ in stücken, Und rennst, wohin dein wunsch und eigner wille geht;
So wirst du bald darauf in dem gewissen fühlen, Daß eigensinn und lust die schärffsten hencker sind, Die ärger als ein bär in marck und adern wühlen, So bald uns ihre list und schmeicheley gewinnt.
Drum bleibt es ausgemacht, daß der, so seinem willen Und den begierden folgt, den frieden niemals kriegt. Den aber wird der HErr gewiß mit fried erfüllen, Wer sich der welt entreißt, und seine lust besiegt.
Flieht nun die wahre ruh vor irrdischen gemüthern, So laß dem Geiste doch, o seele! freye macht, Und gieb dem eigensinn des fleisches, und den gütern Der unruh-vollen welt im glauben gute nacht.
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