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1616–1679

Das arge Weib.

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Nichts bessers alß ein weib ist wie mich deucht auf erden Auch kan nichts ärgers alß ein weib gefunden werden Sie träget beyderley creutz unglück glück und heyl Milch honig gall und gifft in ihren busen feil.

Und hat in einer hand gleich wie die kinder pflegen Zu spielen pincke panck lust leben friede segen Und in der andern hand zorn tod fluch haß und zanck Ach wie gefährlich ist ein solches pinckepanck:

Wer diese hand ergreift der kriget nicht nur hände Ja vielmehr hauß und hoff voll angst qual und elende Was sag ich hauß und hoff es muß was grössers seyn Ist doch der weiber zorn die gantze welt zu klein.

Wenn der wie offt geschicht hat über hand genommen So soll der teufel selbst aus seiner hölle kommen Und holen iederman auf den sie böse sind Hund katze kuh und kalb knecht magd mann weib und

kind. Du hebt das gantze hauß von keifen an zu sausen Gleich wie die starcken wind im wüsten meere brausen Jhr rachen thut sich auf wirft feuer aus und gischt

Die zähne beissen sich die braune zunge zischt Die augen finckeln beyd als einem wilden schweine Das über berg und thal und über stock und steine Von hunden wird gejagt die arme schwingen sich;

Lincks rechts nach fechter-art auf streich schlag hieb und stich. Es muß gescholten seyn giebts auch gleich nichts zu schelten So schilt so schilt sie doch potz hundert tausend velten

Sie springt sie hüpfft sie tantzt wie ein verliebtes pferd Ist gleich die sach offtmahl nicht wohl drey heller werth. Wenns hoch kömmt ist etwa die katz in topf gekrochen Und hat den alten topf geleckt darnach zerbrochen

Die köchin hat das fleisch versaltzen und verwürtzt Auch ist der essig-krug beym ofen ümbgestürtzt. Ist sonst nichts mehr; so fält der zorn auf flöh und läuse Bald hat der hund das fleisch gefressen bald die mäuse

Den schincken und die wurst brod butter käß und speck Darzu o hertzeleid! ist auch das messer weg. Die schlüssel sind verlegt da hört man erst schön fluchen Der arme mann erschrickt und hilft die schlüssel suchen

Ein jedes sucht und flucht ein jedes greift und keift Daß immer mit der naß eins an das ander läufft. Das ist ein lustig spiel; wer es von ferne siehet Wie sich das liebe volck bekümmert und bemühet

Der meinet sie sind all unsinnig thöricht toll Jedoch zum wenigsten von bier und wenie voll: Wenn nu der zarten frau die boßheit ist vergangen So kömmt ihr wieder an ein sehnen und verlangen

Nach hoffart; Ist das nicht so eine schöne tracht? Die frau gevatterin hat sie von Leipzig bracht Spricht sie: und ist das nicht so eine liebe mütze? Ey lieber sehet doch wie klar ist diese spitze?

Jm kram ist neuer zeug mir mangelt gleich ein rock Und zu dem alten peltz ein neuer überzog. Der rock ist gar zu kahl ich muß mich drinne schämen Was werd ich immermehr für farbe wieder nehmen?

Blau Mourant nacquara curang und columbin Von diesen muß es seyn braun blau gelb roth und grün Dieß alle mag ich nicht sie sind gar zu gemeine Wenn ich was haben will so hab ichs gern alleine

Sonst werf ichs balde weg ein iede handwercks-frau Trägt itzo in der stadt gelb grün roth braun und blau. Dem mann entfällt der muth und sitzt dort wie auf kohlen; Was hilfts sie läst nicht ab er muß den beutel holen

Ob er sich noch so sehr mit vielen worten wehrt So wird er doch damit durchaus gar nicht gehört. Nu beutel ducke dich jetzt wirstu müssen schwitzen Gib geld zur neuen tracht gib geld zu mütz und spitzen

Hastu gleich nichts gib doch das weib hält stürmisch an Gib doch und solten gleich die letzten heller dran. Dargegen muß der mann etwa von alten stücken Die sie hat abgelegt die hosen lassen flicken:

Es thuts dem herren wohl er ist vorhin bekant Ob gleich zum dritten mahl sein kleid wird ümgewandt. Der kaufmann nimmt das geld dort sitzt die edle tocke Und sperrt sich pralt und prangt in ihrem bunten rocke

Das maul wacht endlich auf und wil versorget seyn Wo ist das beste bier wo ist der beste wein? Mein schatz ey seyd doch nicht ein karger pfennig-trucker Gebt geld ich hätte gern eitronen wein und zucker

Mir ist fürwar nicht wohl wie schauret mir die haut Ich aß vorhin zu viel fett fleisch und sauerkraut; Und hat doch allbereit ein kännlein wein im schrancke Wohl zugericht dahin läuft die versofne krancke

Gar ordentlich so offt der virtels-seiger schlägt Biß daß durch manchen trunck der hunger sich erregt. Geht muhme lasset mir flugs ein paar kuchen backen Der fromme stehet dort und krauet sich im nacken

Doch wenn er freundlich ist so krieget er den rand Von kuchen und was sonst daran ist angebrandt. Bißweilen will die frau auf himmel-wagen fahren Da geht es eben zu als wie mit jenen stahren

Die waren ihres stands im walde müd und satt Sie wolten amseln seyn und flohen in die stadt Und sahen hin und her viel amselbauer hangen In einen krochen sie und wolten drinnen prangen

Die leute lieffen zu und traten ümb das hauß Und sprachen: lachet doch die groben narren aus. Diß alles ginge hin als keiffen prangen trincken Wenn nur die schöne frau den hund nicht liesse hincken

Oft bläckt das reh oft kreht ein iunger stoltzer hahn Es findet sich auch bald ein cammer-capellan. Da geht es seltzam zu es ist nicht zu beschreiben Denn wer diß handwerck will lang und verschwiegen treiben

Der thut es ingeheim derhalben weiß man nicht Von wem wie oder wenn etwas und was geschicht. Die kühe lassen oft auch frembde kälber saugen Ein scharffes beil wird stumpf und kan nicht immer taugen

Wer ist der nicht zuletzt dafür ein eckel trägt Wenn ihm wird einerley zu essen vorgelegt? Voraus ein solches weib das will was neues haben Von kleidern speiß und tranck und andern leibes-gaben

Sie trachtet meisten theils nach dem was sie ergetzt Wird gleich treu ehr und zucht weit hinten angesetzt. Indessen hat der mann zwar einen grossen löffel Jßt aber selten mit drischt ümb den zwölfften scheffel

Er liest die brocken auf und sticht die neigen ab Auch rühret ihn manchmahl ein schwerer liebes-tag. Ist etwa nun ein weib mit bosheit sauffen fressen Mit hoffart hader zanck und geiler lust besessen

Wohlan so sage mir mein lieber deutscher mann Ob auch auf dieser welt was ärgers leben kan? Doch endlich gnug gesagt von solchen schlimmen sachen Ich möcht euch weiberlein vieleicht gar zornig machen

Ich bitte zürnet nicht seyd fromm und wohlgemut Ich weiß daß kein’ allhier dergleichen dinge thut Und fordert mich nur nicht vor euer halß-gerichte Es ist nur schimpf und schertz und ein geflickt gedichte

Es reuet mich der schimpf ietzt ändert sich mein sinn Und darumb werf ich auch die lose feder hin Ein andre feder her darmit wil ich euch preisen Und loben und zugleich das wiederspiel beweisen.

Es ist mein rechter ernst ich bleibe nur dabey Wie daß auf dieser welt ein weib das beste sey.

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