Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Der mensch ist von natur begierig viel zu wissen: Doch ohne gottesfurcht hilfft keine wissenschafft. Ein bauer, der nicht erst nach hohen grillen gafft, Und in der demuth GOtt zu dienen ist beflissen,
Ist besser, denn ein thor, der durch die sternen rennt, Und sich vor übermuth und weisheit selbst nicht kennt. Wer sich nun selbst recht kennt, der wird ihm schlecht gefallen: Ich weiß, es kommt ihm nichts als lauter demuth ein.
Drum muß das menschen-lob ihm höchst verdrüßlich seyn. Denn wenn ich alles wüst’, und hätte bey dem allen Des Höchsten liebe nicht; so würd’ ich doch vor GOtt, Der auf das leben sieht, zu schanden und zum spott.
Drum setze deiner lust, zu wissen, ziel und ende. Viel wissen bringt viel sorg, und denn auch viel betrug. Wer viel gegrübelt hat, der hält sich selbst vor klug, Und will, daß alle welt zu ihm nach weisheit sende.
Viel dinge nützen nichts, wenn man sie schon mit fleiß In seinen kopff gefaßt, und zu entscheiden weiß. Der ist ein großer narr, der mehr auf andre sachen, Als an sein heyl gedenckt, daran doch alles liegt.
Von vielen worten wird die seele nicht vergnügt; Es muß des Geistes krafft das hertze freudig machen. Darum, wer JEsum tief in sein gemüthe drückt, Und ihn im glauben liebt, der wird gewiß erqvickt.
Wer große dinge weiß, soll einst ein urtheil hören, Das unerträglich ist, wofern er übel lebt, Und nicht das, was er weiß, auch auszuüben strebt, Drum überhebe dich nicht wegen hoher lehren,
Und großer wissenschafft. Mein! folge meinem rath Und fürchte GOtt, der dir so viel vertrauet hat. Bringt dir der Satan bey: Du habest mehr vergessen, Als Salomo gewußt; so wiß’, es ist noch viel,
Was GOtt vor dir verbirgt, und andern sagen will. Du kanst die wissenschafft doch nicht alleine fressen. Drum sey nicht allzuklug, bekenne vielmehr frey: Daß deine gantze kunst vor GOtt nur thorheit sey.
Ja warum machest du aus andern idioten? Kennst du denn dich und sie? o unberathner thor! Zeuch dich dem nächsten nicht so gar verwegen vor. Willst du recht weise seyn, so zeuch nach den geboten,
So GOttes weisheit giebt, die stoltzen segel ein, Und lern’ in niedrigkeit still und verborgen seyn. Nichts ist erbaulicher, als sich rechtschaffen kennen. Wer seinen nächsten hoch, sich selbst vor gar nichts hält,
Und ob sein bruder gleich in schwere sünden fällt, Sich doch nicht besser schätzt, den kan man weise nennen. Drum wenn du auch schon siehst, daß ieder fallen kan, So siehe dennoch dich stets vor den schwächsten an.
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