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1616–1679

Das achte capitel.

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Man darff sein hertze nicht stets auf der zunge tragen: Ein weiser schleußt die zung’ in seinem hertzen ein. Drum must du, was dich drückt, nicht einem ieden sagen; Denn dein gewissens-rath kan nur ein frommer seyn.

Ein frommer, welchen Gott und die erfahrung weise Und in geheimnißen still und getreu gemacht: Drum halt dich iederzeit zu einem solchen greise; Deun bey der jugend wird nichts sicher angebracht.

Lern eingezogen seyn, und fleuch die frechen buben, Mit denen du zuvor bekant gewesen bist. Fleuch großer herren höf’, und alle diese stuben, Wo man der redligkeit und menschen-furcht vergißt.

Denn trug und heucheley geziemet keinen Christen. Die einfalt stehet dir am allerbesten an. Geselle dich allein zu rechten pietisten, Ob sie die rohe welt schon nicht vertragen kan.

Mit diesen mache dich, durch unschuld-volle sitten Und unterredungen nach Christi sinn, gemein. Der weisheit schüler sind bey weisen wohl gelitten, Wenn sie nur in der zucht still und gehorsam seyn.

Bewahre deinen schritt, und geh der weiber müßig: Jhr umgang stürtzet dich sonst in gefahr und spott: Bey ihnen wird man bald der keuschheit überdrüßig; Drum fleuch sie, und befiehl die frommen deinem Gott.

Mit engeln und mit Gott allein gemeinschafft pflegen Ist wol die sicherste gesellschafft auf der welt. Wer andre kundschafft sucht, der wagt es sehr verwegen; Drum sey dein hertze stets dem himmel zugesellt.

Die liebe gegen all’ und iede menschen üben, Steht Christlich; doch zu viel gemeinschafft ist nicht gut. Man kan die brüder auch in seiner kammer lieben, Indem man vor ihr heyl bitt’ und gebete thut.

Ein mann, der in der fern als eine sonne scheinet, Verliehret in der näh offt allen glantz und schein; Denn was der kluge mund gleich auszurichten meynet, Das reissen meistentheils die fremden sitten ein.

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