Clorinde kanst du lustig stehen
Wenn einer rose schönes haupt
Auff ihrem stocke muß vergehen
Nicht etwa von der faust geraubt
So sie mit würden könte tragen
Sie legen auff die schöne brust
Und mit erfrischtem hertzen sagen:
Hier ist ein königreich voll lust.
Nein nein du schaust bestürtzt darnieder
Läst tieffe seuffzer von dir gehn
Das kleinste deiner zarten glieder
Muß in dem trauer-stande stehn;
Wie klagstu über solche sachen
Die man in allen gärten bricht?
Laß dich dasselbe traurig machen
So dir ein übel urtheil spricht.
Erkenne dich und lerne kennen
Daß wo itzt blut und blüte siegt
Wo allerhand begierden brennen
Einst eine faule wurtzel liegt.
Es werden deine zarte wangen
Nicht stetig rosen-stöcke seyn
Bey ihnen fällt so wohl das prangen
Als bey der rose zier und schein.
Drum laß mich deine rosen brechen
Weil hier noch stock und blüte neu
Ach weine! werd ich selten sprechen
Das frische graß giebt welckes heu.
Komm komm und folge meiner lehre
Die Venus hat es auch gethan
Und tausend mehr was ist die ehre?
Ein kluges nichts ein blosser wahn.