Wie artig trifft der mensch doch mit den blumen ein
Die heute prächtig stehn und morgen doch verschwinden!
Da lust und traurigkeit in stetem wechsel seyn
Und sich die farben nur auff kurtze zeit verbinden.
Was arbeit kost es nicht eh man das dürre feld
Kan zu der nutzbarkeit der blumen tüchtig machen?
Was mühe steht es nicht eh wir die blinde welt
Und ihre phantasey recht wissen auszulachen?
Und wenn die blumen nun in vollem purpur stehn
Und hier die lilien dort silberne narcissen
Und da die tulipen mit saamen schwanger gehn
So wird die gantze pracht durch wind und sturm zerrissen:
So wenn wir kaum den schaum der erden angeblickt
Und erst die balsam-krafft der bücher angerochen
So wird uns durch den tod der kluge kopfft verrückt
Und unser leben so wie blumen abgebrochen.
Drüm zieht ihr traurigen die müde thränen ein
Weil unser wesen doch nicht eher kan bestehen
Als biß wir endlich auch wie dürre blätter seyn
Und unsre glieder so wie blumen untergehen.
Der todte tritt nunmehr in himmels-garten ein
Und wie die blumen sich verdoppeln in der erden;
So wird er weil er nicht kan irrdisch fruchtbar seyn
Im himmel allererst zur vollen blume werden.