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1616–1679

Auf die poesie. G. List.

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Du hoch-gepriesne kunst! du nectar kluger sinnen! Dich muß ein edler geist, als perle, lieb gewinnen. Du hauch! der nur aus GOtt auf reine hertzen geht, Du schatz! der auch dem rost und motten widersteht.

Ich bin dir als ein kind schon heimlich nachgegangen, Ich suchte tag und nacht den lorbeer zu erlangen. Du stehest mit mir auf, du legest dich mit mir, Ich ziehe deinen crantz der schönsten crone für.

Und hast du gleich bisher dem unvergnügten magen Noch keinen rothen wein, noch wildpret eingetragen; So schleppest du mir doch die pest nicht in das hauß, Vielleicht bricht künfftig noch dein göldner nutzen aus.

Weiß ein geschickter kopff was hohes vorzubringen, Und nicht mann, weib und ding alleine herzusingen, So öffnet er dadurch die überschwehre bahn, Die zu der Fürsten gunst auf rosen führen kan.

Ja viele haben offt durch fleiß in wenig stunden, Bey göttern dieser welt fast einen himmel funden; Da mancher, der da schläft, nicht selten mit verdruß, In einem nessel-strauß zu tantze gehen muß.

So bleibest du demnach mein eintziges vergnügen, Durch dich will ich den neid mit seinem gifft besiegen. Du mehr als zarte lust! du zuckerst meine pein, Und wirst des kummers tod und grab der sorgen seyn.

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