Skip to content
1616–1679

Auf Chlorindens unruhige Nächte.

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Es ist und bleibt der schlaf ein zucker dieser welt, An dem jedwedre brust sich muß und will vergnügen, Kein mensch lebt, welchem nicht derselbe wohlgefällt, Und der bey nachte sich läst dessen macht besiegen.

Jedoch Chlorindens augen klagen, Daß sie sich müssen stets mit unruh plagen, Die unruh mattete sie gäntzlich ab, Und wo die zeit nicht diesen unfall schlüsse,

So trügen sie die abgematten füsse Noch vor der zeit in das bestimmte grab. Doch laß, Chlorinde! mich bey so gestalten sachen Die prophezeyungen von andern fällen machen,

Die unruh plaget dich, weil du viel hertzen plagst, Und ihren geist durch viel gedancken nagst. Du führest die in banden Und läst ihr hoffnungs-schiff fast niemals landen,

Drum bringt dir itzund dein geschicke Davor cin häuffgen ungelücke: Ach daß du doch nicht eher köntest ruhn, Biß du mir wolst, was ich verlange, thun

Und mich zur zahl, die so du liebest, zehlen, Was gilts? es würden dich die nächte nicht mehr quälen. Berathe dich, was hier zu schlüssen, Denn eines wirst du doch ergreiffen müssen,

Erwehle dir davor entweder mehr die nacht, Die dich mit ihrer noth fast gar zu leiche macht; Wo nicht? so laß mich deine liebe spüren, Denn wird sich alles diß verliehren,

Was vor den haß verdient, Ich bin der baum, auf dem dein wohlseyn grünt. Alsdenn wirst du vergnäget ruhn, Die träume werden dich erfreuen,

Die träume, die uns sanffte thun, Wenn sie was artiges in unsre seele streuen. Die nacht bricht an, Das bette wartet schon auf die Chlorinde,

Doch ehe du betritst des schlafes bahn, So mache vor, daß da dein geist auch ruhe finde. Sonst wird dir diese nacht noch zehnmal ärger seyn, Dieweil mein hertze will zum schlaf um rache schreyn.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Auf Chlorindens unruhige Nächte. · Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau · Poetry Cove