Hoffnung macht doch nicht zu schanden,
Ob sie gleich geduld begehrt:
Wenn das böse überstanden,
Wird man auch des guten werth.
Strecken sich die langen eichen
Nach behauen mehr empor:
Auf den zarten rosen-sträuchen
Wächst der dorn den rosen vor:
Und wer Canaan will sehen,
Muß erst durch die wüsten gehen.
Heists gleich offt: Ach wir ertrincken!
Nun geht alle hoffnung drauf!
Wenn das schiff will untersincken,
Wachet erst der helffer auf.
Rettung kommt doch stets zu rechte,
Wenn es uns am schlimmsten geht:
Gleich als wenn die längsten nächte,
Und die sonn am höchsten steht:
Denn ein starcker wetter-regen
Pflegt am ersten sich zu legen.
Frühlings-fieber überwunden,
Seynd den leibern gar gesund.
Wenn die wunden einst verbunden,
Lacht der vorbethränte mund.
Wills das glück gleich lange machen,
Eh’ es uns zu hülfe zieht;
Hoffnung ist ein traum im wachen,
Wo man lauter himmel sieht.
Hoffnung, glücklicher zu werden,
Tilgt die grösse der beschwerden.
Drum, o seele! laß das klagen
Bey der widerwärtigkeit!
Der wird heilen, der geschlagen,
Harrc nur noch kurtze zeit!
Wenn das glück einst ausgeschlafen,
Alsdenn wird es munter seyn.
David bleibt nicht bey den schafen:
Auf den sturm folgt sonnen-schein.
Und wer warten kan und hoffen,
Dem steht glück und himmel offen.