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1616–1679

Aria von der hoffnung.

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Hoffnung macht doch nicht zu schanden, Ob sie gleich geduld begehrt: Wenn das böse überstanden, Wird man auch des guten werth.

Strecken sich die langen eichen Nach behauen mehr empor: Auf den zarten rosen-sträuchen Wächst der dorn den rosen vor:

Und wer Canaan will sehen, Muß erst durch die wüsten gehen. Heists gleich offt: Ach wir ertrincken! Nun geht alle hoffnung drauf!

Wenn das schiff will untersincken, Wachet erst der helffer auf. Rettung kommt doch stets zu rechte, Wenn es uns am schlimmsten geht:

Gleich als wenn die längsten nächte, Und die sonn am höchsten steht: Denn ein starcker wetter-regen Pflegt am ersten sich zu legen.

Frühlings-fieber überwunden, Seynd den leibern gar gesund. Wenn die wunden einst verbunden, Lacht der vorbethränte mund.

Wills das glück gleich lange machen, Eh’ es uns zu hülfe zieht; Hoffnung ist ein traum im wachen, Wo man lauter himmel sieht.

Hoffnung, glücklicher zu werden, Tilgt die grösse der beschwerden. Drum, o seele! laß das klagen Bey der widerwärtigkeit!

Der wird heilen, der geschlagen, Harrc nur noch kurtze zeit! Wenn das glück einst ausgeschlafen, Alsdenn wird es munter seyn.

David bleibt nicht bey den schafen: Auf den sturm folgt sonnen-schein. Und wer warten kan und hoffen, Dem steht glück und himmel offen.

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