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1616–1679

Aria Von der geduld.

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Getrost, mein geist! wenn sturm und donner dräuen. Die ungeduld hält keinen ab. Ein gleicher sinn kan sich beständig freuen. Die angst ist ein lebendig grab.

Und ein allzuharter mund Wird endlich auch von einem kusse wund. Laß haß und neid, laß die verleumbdung blitzeu; Die unschuld bleidet unverletzt.

So lange sie geduld und tugend schützen, So wird der pfeil umsonst gewetzt. Denn der wahrheit klarer schein Wird doch einmal der falschheit dampff zerstrean.

Aus ungeduld sein eigen hertze fressen; Heist wider sich zu felde gehn. Es muß der mensch nicht seiner selbst vergessen, Und auf des feindes seite stehn.

Denn welch schiffer führt den kahn Mit eignem fleiß auf sand und klippen an? Verzweifflung dämpfft ohndem kein ungelücke: Sie sieht durch ein vergrößrungs-glas:

Sie macht ein haar zu einem henckers-stricke, Und kennet weder ziel noch maaß. Die geduld muß hier allein Der seele lust und unsre zuslucht seyn.

Ich will den geist nur in geduld erhalten: Die wetter müssen doch vergehn, Und solten sich auch erd’ und abgrund spalten; So bleibt gleichwol der himmel stehn.

Ist der himmel nun noch da, So seh’ ich mich noch keinem falle nah. Was will ich mich nun in der angst verliehren? Mein feind verdient die ehre nicht:

Es kan sein gifft nicht an mein hertze rühren, Weil mir der himmel schutz verspricht. Leid’ ich gleich ohn alle schuld; So leid’ ich doch mit ruhiger geduld.

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