Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Jhr närrchen thut gemach was bildet ihr euch ein? Was habt ihr thoren viel vom alter zu gedencken? Ist dieses euch verhast so last euch jung auffhencken Halt eure zung im zaum und last das spotten seyn.
Mit eurer prahlerey wird wenig außgericht Jhr stellt euch allzu stoltz und überaus verwegen Ach lernt das ding zuvor vernünfftig überlegen Was gilts ob euer mund hernach nicht anders spricht.
Daß ihr uns alte nennt das thut ihr nur aus neyd Dieweil wir nicht mit euch so kindisch tändeln wollen Wir wären sonst fürwar noch ärger als die tollen Es wundert uns daß ihr noch stets so kindisch seyd;
Zu dem so geht was alt sehr offt dem jungen vor. Die jungen schoten sind zwar allzeit angenehmer; Doch sind die alten schon zum stecken viel bequemer Denn ihre keime schiebt den schönsten strauch empor.
Der alte wein ist ja viel besser als der most Die mürben mispeln sind doch immerfort die besten Die schönsten früchte stehn offt an den ältsten ästen Und alter honig wird zuletzt zur zucker-kost.
Was aber sagt ihr viel von eurer schönheit pracht Die ihr bißweilen doch mit flor die flecken decket? Meint ihr man wisse nicht daß ihr den schalck verstecket Und eure glatte haut mit schmincke schöner macht?
Doch seht euch fleißig für daß euer ruhm nicht sällt Die schönste rose wird am zeitigsten gebrochen Die süßste frucht wird offt von einem wurm gestochen. Wohl der die ihren glantz stets unbefleckt behält!
Wenn man euch engel nennt so nehmt nicht lieber an Wie etwan geister thun so leiber angenommen Das spucken dörfft euch sonst nicht allzu wol bekommen. Um engel wie ihr seyd ists allzubald gethan.
Die liebsten ruffen euch: Mein allerliebstes kind! Was gilts ihr krieget auch der liebe milch zu saugen Jhr seyd ein blumenfeld in eurer buhler augen So schaut daß sich kein wurm zur zucker-rose findt.
Der euch so schätzchen nennt der gräbt gewißlich nach Biß daß er seinen schatz und euer bergwerck funden. Was seyd ihr vor ein stern wenn euer glantz verschwunden? So euer licht verlöscht wird euer schein zur schmach.
Drumb stellt bethörte nur das freche prahlen ein Begehrt ihr ie mit uns nicht weiter umzugehen So packt euch immer hin wir werden euch nicht flehen; Wir bleiben dennoch wol die wir gewesen seyn.
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