Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Dein Damon schreibet hier, geliebte Philippine! Der deine gunst weit mehr, als alle schätze liebt, Du weist wohl, wie ich dich mit steter treu bediene, Und wie mein hertze sich dir gantz zu eigen giebt.
Ich ware voller lust, als nur dein holdes blicken, Bey meiner wiederkunfft mir in die augen fiel; Ach! dacht ich, dürfft ich dich an meine brust nur drücken, Dich schönstes Venus bild! dich meiner liebe ziel!
Mein wunsch ward mir gewährt, als ich nach zweyen tagen In voller gluth und pein an deiner seiten stund, Ich konte länger nicht der sonnen-strahl vertragen Drum wurde meine Qvaal durch sanffte küsse kund.
Erzürne dich doch nicht, o Göttin meiner seelen! Und stoß den treuen knecht nicht stracks von dir hinweg. Soll ich, o ärmster! denn mich annoch länger qvälen? So geh ich nur getrost den finstern todes-steg?
Willst du denn diesen trieb als einen frevel achten? Ist ein verliebter kuß nichts als der folter werth? Ach lerneschönste doch die heiße treu betrachten, Erwege nur die pflicht, die dir dein Damon schwert,
Drum Schönste! suche doch die küsse nicht zu meiden, Sieh diesen, der sie giebt mit holden blicken an, Und weil ein ieder muß auf dieser welt was leiden. So leide doch mein licht, daß ich dich lieben kan.
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