Florinde soll ich dich ersuchen
Und hab ich nicht zu grob gespielt
So sage doch nur ob dein fluchen
Auff freundschafft oder feindschafft zielt;
Sonst muß ich fort sonst muß ich fliehn
Und dir aus deinen augen ziehn.
Ein griff wird dich ja nicht verdriessen
Greifft man doch wohl den käyser an;
Du weist ja daß aus griff und küssen
Kein krancker leib entstehen kan;
Denn was von aussen nur geschehn
Läßt keine grosse flecke sehn.
Ein feigenbaum ist auffgeschossen
Daß man ihn endlich brechen soll;
Ein apffel den kein mund genossen
Schmeckt auch nicht in den augen wohl
So qvillt aus überdeckter brust
Auch keine rechte liebes-lust.
Drum laß den marmol deiner brüste
Mir länger nicht verschlossen seyn;
Nimm die begierden meiner lüste
Zu deinen engen pforten ein
Und mache meine schwartze hand
Mit deiner weissen haut bekandt.
Ich werffe meine liebes-flammen
In deinen auffgeblehten schnee
Streich du nur alle krafft zusammen
Und kühle meines hertzens-weh
So lieb ich dich so liebst du mich
So lieben wir uns inniglich.
Jedoch verzeihe mir Florinde
Daß ich so frey mit dir geschertzt
Du fühlest nicht was ich empfinde
Noch was mich in der seele schmertzt.
Du siehst zwar meiner liebe wahn
Nicht aber meine kranckheit an.
Was fleisch ist muß vom fleische leben
Ich bin kein engel oder geist;
Drum wundre dich nicht daß mich eben
Ein trieb auff deine brüste reißt
Und dencke wer du auch schon bist
Daß nichts umsonst gewachsen ist.