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1616–1679

An Flavien.

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Ach edle Flavia! ich weiß nicht wo ich bin Ich schreib und weiß nicht was dein schertzen macht mir schmertzen Dein stern der freundlichkeit reist meine freyheit hin Du schickst mir einen brieff und greiffst mir nach den hertzen.

Ach ein vergebner brieff! du hast es ja bey dir Und mir ist nur davon ein kleiner rest erlaubet; Denn seine schalen sind zwar wie es scheint bey mir Du aber hast mir längst den kern davon geraubet.

Ich schreibe sehr verwirrt: Denn wer so lebt wie ich Und ohne hertze schreibt dem taumeln geist und sinnen. Verdirbt mir dieser brieff so schrey ich über dich Was solt ich ohne hertz itzt wohl vollbringen können?

Doch schreib ich wie ich kan als sclave deiner hand; Die fehler meiner schrifft sind deine sieges-zeichen. Reicht Critons dienstbarkeit dir hier kein besser pfand So denck ein schwacher kan nicht was er will erreichen;

Und rechte liebe will nicht reich verbrämet seyn Sie will nicht allemahl mit purpur sich bedecken Sie stellt nicht selten sich in schlechter kleidung ein Und meynt daß schminck und schmuck nicht zieren sonder flecken.

Du aber Flavia gebrauchst verschwenderey Du thust mir deine gunst durch einen brieff zuwissen Und daß ich auch davon noch mehr versichert sey So wilst du bald darauff mein schlechtes haus begrüssen.

Ach freundin! das gelück und dessen freuden-fest Speist die verliebten offt mit leeren fleisch-pasteten Und ob es seinen wein gleich etwas schmecken läst So fließt er mehrentheils nur unsre lust zu tödten.

Es drücket das gelück uns freundlich an die brust Und kratzet unvermerckt bey falschen liebes-küssen Es zeigt uns sein betrug den zucker reiner lust Und raubt uns als ein feind die nahrungs-reichen bissen.

Der krantz den seine hand auff unsre scheitel setzt Ist mehrentheils mit dorn und disteln unterwunden. Sein becher hat uns offt biß auff den tod verletzt: Nicht selten hat man hier ein spinnen-gifft gefunden.

Ich rühr in meiner noth nicht fremden unfall an Ich kenne das gelück und dessen falsche waaren Und wie sich dessen lust in list verstellen kan. Denn was ich hier berührt das hab ich auch erfahren:

Es stund mein treuer sinn in steiffer zuversicht In meinem hause dich als freundin zu umfangen; Ach blumen ohne frucht! Ich armer fand dich nicht Du warst zu meiner noth mir allzubald entgangen

Dein helles auge war vor mich ein donnerstrahl Als ich du weist ja wo dich unverhofft erblickte Kein pinsel kan allhier bezeichnen meine qvaal Die tausend seuffzer dir nach deinen hertzen schickte.

Mein größter kummer war zu bergen meine pein Mein blut stund schon gerüst verrätherey zu üben Doch must ich in der noth als eiß gefrohren seyn. Wie übel paart sich doch behutsamkeit und lieben!

Wie der verdruß hernach mir meinen tisch gedeckt Wie nichts als traurigkeit mir oben an gesessen Wie bitter mir hierauff das mittags-mahl geschmeckt Das kanst du liebst du mich auch vor dich selbst ermessen.

Es schloß der unmuth mir die heisse kähle zu; Mich hätte der verdruß auch endlich selbst erstecket Und läge wohl vielleicht itzt in der bleichen ruh Wann nicht mein hoffnungs-stern mich wieder auffgewecket.

Ist eine wehmuth noch vor mich in dieser welt So trockne Flavia mir meine nasse wangen; Du weist es daß mir doch kein ander tuch gefällt Als das ich armer kan aus deiner hand erlangen.

Schau meine liebe nicht als wollust-sprossen an Die aus dem hertzen nichts als geile blüthe treiben Du weist es daß man auch vernünfftig lieben kan Und lieb und tugend wohl geschwister können bleiben.

Ich schliesse meinen brieff doch meine hoffnung nicht Dich liebste Flavia in kurtzer zeit zu schauen; Und so der himmel uns nicht allen fürsatz bricht So wollen wir ein haus von zucker-rosen bauen.

Doch weil du rose bist so will ich biene seyn Die bienen mögen sich in blätter ja verstecken; Vielleicht fällt dir wie mir noch der gedancken ein Daß bienen zwar ein blat berühren nicht beflecken.

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