Kennt Flavia den arm der ewig ketten träget
Der niemahls frey will seyn der ewig dienstbar bleibt?
So nimm den treuen brieff mit wehmuth beygeleget
Und schau was Damon hier mit kranckem finger schreibt.
Es will die traurigkeit mir itzt die feder führen
Es trägt die Ungedult papier und dinte zu
Und wirst du keine lust in diesen reimen spüren
So dencke Damon liebt so laulicht nicht wie du.
Ich liebe was mich haßt du hassest was dich liebet
Verzeihe Flavia wo ich allhier zu frey
Wo das verhängniß mir nicht geist und auge trübet
So deucht mich daß der reim hier nicht zu tadeln sey.
Mein trost in dieser noth und was mich kan erquicken
Ist dieses daß ich dir mit willen nichts gethan.
Der himmel reisse mich in hundert tausend stücken
Dafern mich Flavia mit recht verklagen kan.
Ich weiß wohl daß ich dich nicht sattsam kan verehren:
Doch was geniesset nicht der sonnen klares licht?
Ein armes opffer kan die götter nicht versehren
Der wille wird erkannt raucht gleich der weyrauch nicht.
Und diese dürfftigkeit fällt itzt zu deinen füssen
Ich bitte rechne nicht die unbekandte schuld.
Es scheint ich werde zwar nicht grosse gunst geniessen
Doch bleibt die tugend stets der tugend bester sold.
Genung die feder fällt aus meinen schwachen händen
Mich düncket Flavia zerreist itzt meinen brieff
Und wird wohl keinen blick auff dessen schreiber wenden
Der auff ihr süsses wort in sein verderben lieff.