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1647

An Flavien

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Kennt Flavia den arm der ewig ketten träget Der niemahls frey will seyn der ewig dienstbar bleibt? So nimm den treuen brieff mit wehmuth beygeleget Und schau was Damon hier mit kranckem finger schreibt.

Es will die traurigkeit mir itzt die feder führen Es trägt die Ungedult papier und dinte zu Und wirst du keine lust in diesen reimen spüren So dencke Damon liebt so laulicht nicht wie du.

Ich liebe was mich haßt du hassest was dich liebet Verzeihe Flavia wo ich allhier zu frey Wo das verhängniß mir nicht geist und auge trübet So deucht mich daß der reim hier nicht zu tadeln sey.

Mein trost in dieser noth und was mich kan erquicken Ist dieses daß ich dir mit willen nichts gethan. Der himmel reisse mich in hundert tausend stücken Dafern mich Flavia mit recht verklagen kan.

Ich weiß wohl daß ich dich nicht sattsam kan verehren: Doch was geniesset nicht der sonnen klares licht? Ein armes opffer kan die götter nicht versehren Der wille wird erkannt raucht gleich der weyrauch nicht.

Und diese dürfftigkeit fällt itzt zu deinen füssen Ich bitte rechne nicht die unbekandte schuld. Es scheint ich werde zwar nicht grosse gunst geniessen Doch bleibt die tugend stets der tugend bester sold.

Genung die feder fällt aus meinen schwachen händen Mich düncket Flavia zerreist itzt meinen brieff Und wird wohl keinen blick auff dessen schreiber wenden Der auff ihr süsses wort in sein verderben lieff.

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