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1616–1679

An Flavien.

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Will das gelücke denn gantz meine feindin werden? Stürmt süd ost nord und west? Bin ich ein gauckel-spiel und leichter ball der erden Den Venus fallen läst?

Will keine sonne mehr mein schwartzes haupt berühren? Umhüllt mich nichts als nacht? Will das verhängniß mich an einer keite führen So mich verzweiffelt macht?

Orontes weiß fast nicht was ferner sey zu dencken Zürnt Venus oder du? Ach gläub es! Flavia mein leiden und dein kräncken Kommt mir und dir nicht zu;

Was hab ich dir gethan daß du mich nicht wilst kennen? Wie heist du meine schuld? Soll mein verbrechen sich mit rechten namen nennen? So rufft es: Lieb und huld

Du läst mein auge nicht zu deinen gräntzen dringen Mein auge sonder licht Du deckst den schönen mund mit deines schatten schwingen Und kennst mich ferner nicht.

Das basiliscken-gifft der rauch von allen drachen Der fledermäuse blut Kan meiner Flavie nicht solchen eckel machen Als des Orontes hut.

Doch hab ich dich erzürt so will ich treulich büssen Es schweret hand und geist. Wie solte nicht mein blut mit reichen ströhmen fliessen Wenn du es springen heist.

Solt ich o Flavia! zu deinen füssen sterben So stürb ich ohne spott; Denn liebe so nicht kan die gegenlieb erwerben Ist ärger als der tod.

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