Ach Flavia! du qvelle meiner schmertzen
Was hat dir doch dein treuer knecht gethan?
Daß nicht dein ohr die seuffzer meines hertzen
Mehr wie vorhin gedultig leiden kan?
Und daß mein mund nach hundert tausend küssen
Doch endlich nun in thränen muß zerfliessen?
Ein sclave der die jammer-vollen ketten
Nur mit gedult und tieffer demut trägt
Kan endlich doch sich durch die flucht erretten
Wenn ihm die zeit die fässel abgelegt:
Ach aber! ach! wo soll ich rettung finden?
Weil mich dein arm kan allenthalben binden.
Ich muß nur stehn und deine straffe suchen
Die schönste mir dein strenges auge spricht:
Sonst müst ich offt dem himmel selber fluchen
Wenn er den glantz durch trübe wolcken bricht.
Dein hertz ist ja der himmel meiner freuden;
Drum will ich auch itzt seine donner leiden.
Ich bin bißher zu glücklich fast gewesen
Ich habe dich mehr als zuviel geküst:
Wenn ich den schnee von deiner brust gelesen
Und unser mund wie thau zerflossen ist:
Dieweil ich nun verbothne frucht genossen
So wird mir auch mein paradieß verschlossen.
Wohlan denn! wenn ich nicht soll länger leben
O Flavia! so sterb ich mit gedult.
Hastu mich gleich mit thränen itzt vergeben
So geb ich dir doch schönste keine schuld.
Denn wer zu früh will mit dem feuer spielen
Muß endlich sich mit solchem wasser kühlen.