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1616–1679

An Flavien.

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Ach Flavia! du qvelle meiner schmertzen Was hat dir doch dein treuer knecht gethan? Daß nicht dein ohr die seuffzer meines hertzen Mehr wie vorhin gedultig leiden kan?

Und daß mein mund nach hundert tausend küssen Doch endlich nun in thränen muß zerfliessen? Ein sclave der die jammer-vollen ketten Nur mit gedult und tieffer demut trägt

Kan endlich doch sich durch die flucht erretten Wenn ihm die zeit die fässel abgelegt: Ach aber! ach! wo soll ich rettung finden? Weil mich dein arm kan allenthalben binden.

Ich muß nur stehn und deine straffe suchen Die schönste mir dein strenges auge spricht: Sonst müst ich offt dem himmel selber fluchen Wenn er den glantz durch trübe wolcken bricht.

Dein hertz ist ja der himmel meiner freuden; Drum will ich auch itzt seine donner leiden. Ich bin bißher zu glücklich fast gewesen Ich habe dich mehr als zuviel geküst:

Wenn ich den schnee von deiner brust gelesen Und unser mund wie thau zerflossen ist: Dieweil ich nun verbothne frucht genossen So wird mir auch mein paradieß verschlossen.

Wohlan denn! wenn ich nicht soll länger leben O Flavia! so sterb ich mit gedult. Hastu mich gleich mit thränen itzt vergeben So geb ich dir doch schönste keine schuld.

Denn wer zu früh will mit dem feuer spielen Muß endlich sich mit solchem wasser kühlen.

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