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1616–1679

An einen betrübten witwer im nahmen eines andern. B. N.

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Benug, genug geweint! die tugend fordert nicht, Daß man so lange zeit von tod und grabe spricht. Dein eh-gemahl, o freund! hat freylich viel besessen, Was GOtt viel anderen nur sparsam zugemessen:

Sie war von hertzen fromm, und sah’ schon in der welt, Was sie nun ewig sieht: Was uns gefangen hält, Und manchem, wenn er stirbt, kaum möglich ist zu hassen, Das alles sah’ man sie schon lebend hier verlassen:

Sie war dein ander hertz, des hauses freuden-licht, Der kinder ehren-bild, des nächsten zuversicht. Und also scheint es zwar, ob müst du sie beklagen; Jedoch was dir dein hertz, dein kranckes hertz zerschlagen,

Das eben solte ja zum troste dir gedeyn. Was klagst du? Einen leib, der aller angst und pein Nunmehr entrissen ist? Was klagst du? Eine seele, Die ihr gefängniß flieht, und aus der sünden-höle

Sich nach dem himmel schwingt? Wie? oder klagst du dich? Klagst du dein armes haus? Ach freylich, sprichst du, mich! Ach freylich, kind und haus! Laß ab von deinen thränen! Wer liebt, der muß sich stets nach solchen dingen sehnen,

Die das geliebt’ erfreun. Dein treues eh-gemahl Hat fünff und zwantzig jahr im haus und überall, Nächst GOtt und ihrer seel, auf nichts als dich gesehen: Das glücke, das dir schien, war auch ihr wohl-ergehen:

Der kummer, der dich traff, war auch ihr trauer-brod; Liebst du nun so, wie sie, was klagst du ihren tod, Der sie so glücklich macht? Was weinst du, daß sie stirbet, Da sie zwar viel verläst, jedoch weit mehr erwirbet?

Ja da sie, stirbt sie gleich, dennoch lebendig bleibt, Weil sie ihr wesen längst den kindern einverleibt. Laß andre traurig seyn, wo alles muß verschwinden; Du kanst der mutter bild in jeder tochter finden.

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