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1616–1679

An Amaranthen über sein an sie geschicktes bildniß.

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Mein bildniß hast du hier auff dünnes glaß geleget Es scheint daß zwischen mensch und glaß verwandniß sey Denn die gebrechlichkeit ist beyden eingepräget Sie seyn von dem verderb fast keine stunde frey.

So bald ein glaß zerbricht kan auch ein mensch vergehen. Das glaß zerbricht der mensch den menschen Gottes hand; Es können beyde nicht die länge recht bestehen Ihr end und anfang ist fast nichts als asch und sand.

Zerbricht das glaß nicht gantz so kriegt es schnöde flecken Laufft von dem wetter an und wird sehr ungestalt: So will die kranckheit offt uns allen schein verdecken Und macht gemüth und leib verdrießlich schwach und kalt.

Zerfällt das schönste glaß wer achtet dessen stücke? Man stößt es schändlich hin als schlechten ziegel grauß: Die menschen sparen nicht den menschen ihre tücke Man hat uns kaum verscharrt so ist die freundschafft aus.

Ruhm nahme und gestalt ist allzubald verschwunden Wenn man uns nach gebrauch das letzte hembde giebt. Wo hat man dieser zeit wohl einen freund gefunden So an das grab gedenckt und nach dem tode liebt.

Hier ist das dünne glaß wilt du es bald zerbrechen So nehm ich es von dir vor keine feindschafft an; Denn Amaranthen weiß ich nicht zu widersprechen Indem mich ihre hand in nichts verletzen kan.

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