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1616–1679

Als sie wolte die sterne kennen lernen.

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Was reitzet vor ein stern zu dieser lust dich an, Galante Margaris! wilstu die erde lassen, Und jenes stern-revier in deine sinnen fassen? Was vor ein zug führt dich auf diese hohe bahn,

Wo nichts als feuer ist, wo solche lichter brennen, Die leicht durch einen fall die erde könten trennen? Weil denn dein himmel-geist nicht zu erhalten ist, Und an das sonnen-licht gedencket hinzuetlen,

Weil er sich itzund will mit erd und himmel theilen, Den himmel bey der nacht, die erd am tag erkiest; So fährt er glücklich auf zu den gestirnten höhen, Wo neue lichter stets in grossen circkeln stehen.

Die sonne kennst du schon, des tages großes licht, Und wo du sie nicht kennst, so schau in deinen spiegel; Was gilts? der löst dir auf hier dieser reime siegel, Und sagt dir, daß diß wort sey selbst auf dich gericht:

Du bist die sonne selbst, und kanst mit deinem strahlen Auch gantze gegenden zu aller freude mahlen. Du brennst so starck als sie, dein heller augen-strahl Kan seine flammen selbst in vieler hertzen treiben;

Ich selbsten will, und muß in diese zahl mich schreiben, Der ich doch gegen dir ein klarheit-armes thal. Und welcher lange dir zu nahe wolte stehen, Der würde sicherlich vor hitz und licht vergehen.

Der sonne folgt der mond an macht und würckung nach, Sein silber kennstu auch, und daß er hörner träget, Die zu gewisser zeit er zu verstecken pfleget, Bald wieder sehen läst, wenn er sich allgemach

Der sonnen näher weltzt, doch wirstu diß schon wissen, Warum es offters muß das licht der sonnen missen. Nach diesem schau mit mir die irre-lichter an, Die man planeten heist: Der Jupiter steht oben,

Der würde, meyn ich, nach, weil nach der heyden loben Jhm cron und scepter solgt; und was man weiter kan An ihm vor wunder sehn, das lehren dich die tichter, Als in dem fabel-werck die allerbesten richter.

Wenn nun der himmel wird in deinem kopffe stehn, Wenn du die sterne wirst darein gefasset haben, Und dessen circkel dem gehirue eingegraben, So lasse deinen sinn sich nicht zu sehr erhöhn,

Daß er, was irrdisch ist, nicht alles bald verlachet, Und also auch dadurch mich unglückseelig machet. Jhr sterne, flösset ihr ja andre sinnen ein! Saturnus müsse ja nicht in ihr hertze kommen;

Wo aber diß vorher die Venus eingenommen, So wird der horizont hier selbst beliebet seyn; Kommt Mars denn auch dazu, so werden hier die sinnen Ein angenehmes spiel und freuden-fest beginnen.

Dann muß die neigung hier, als wie ein fix-stern stehn, Damit der liebes-stern sie nicht so bald verlasse, Besondern allezeit ein stärcker scheinen fasse, Wenn ihm die strahlen nur des wohlseyns nahe stehn.

Die milchbahn wird sich denn in schönster anmuth zeigen, Und unsern matten geist zu neuer freude beugen. Nun, Sonne! lebe wohl mit deiner sternen-schaar, Laß sonne, mond und fix-und irre-sterne scheinen,

So wird die lust vermehrt der, die es treulich meynen, Und deren liebe vor dein zeit-vertreiben war. Ich schließ, es wird itzt nacht, drum will ich von den sternen Durch meine poesie nicht deinen geist entfernen.

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