Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Ach möchtestu vor mich so viel erbarmung hegen Als wohl mein kranckes hertz verliebte flammen trägt So würde dieses blat dich nicht zum zorn bewegen Daß meine faust hiermit zu deinen füssen legt.
Die wehmuth würde dir biß zu der seelen steigen Wann du die thränen solst auf meinen wangen sehn Und wie sich meine brust schon will zum grabe neigen Indem es gäntzlich fast um deinen knecht geschehn.
Nun aber weiß ich dir nicht gnugsam vorzustellen Die centner-schwere last der unerschöpfften pein Wormit dein harter schluß will meine brust vergällen Und mich heist ohne lust und ohn vergnügen seyn.
Selbst meine faust weiß kaum die feder mehr zu führen Diß blat ist auch zu eng vor meine traurigkeit, Und was mir etwan noch soll meine geister rühren Hat angst und bittres weh! mit wermut überstreut.
Die tinte will mir nicht wie sonst vor diesem fliessen. Die reimen übergehn ihr fest-gesetztes ziel Vor zittern kan die hand nicht recht die sylben schliessen Und kurtz; Ich selber bin des himmels gauckel-spiel.
Darff ich Arminde dir die wahrheit recht gestehen So hastu selbst die qual in meiner brust erregt; Es scheint ich soll nicht mehr auf freuden-rosen gehen Ach! daß der himmel mich mit solcher angst belegt.
Dein schuß dein harter schluß der zwinget mich zum sterben Was die Ergötzung bringt greifft mich mit schmertzen an Aus deiner härtigkeit entstehet mein verderben Kein wunder daß ich auch fast nicht mehr leben kan!
Du zeigst mir jetzund nichts als schwartze trauer-kertzen Mein freuden-licht hast du verkehrt in kummer-nacht Du labest dein gemüth an meinen seelen-schmertzen Doch welche freude hat dir meine noth gebracht?
Soll ich nun ferner nicht den süssen thau geniessen Den mir dein rosen-mund vor kurtzem hat gewehrt So muß die seele selbst in bleicher angst zerfliessen Und zeigen wie dein schluß itzt meine brust versehrt.
Arminde nicht zu streng! du weist ich muß dich lieben Ein trieb der über mich und meine kräffte steigt Ein überirrdscher zwang hat mich hierzu getrieben Schau wie mein hertze sich vor deiner gottheit beugt
Und dennoch wilstu mich und meine glut verwerffen Du tadelst was dich liebt ich bin bey dir verhaßt Du wilst noch meine noth mit frischen kummer schärffen Da doch vor traurigkeit hertz seel und geist erblast.
Mit was hat wol dein knecht die harte straff verdienet Das ihn dein strenger schuß mit gall und wermuth tränckt? Daß keine wehmuth mehr in deiner seelen grünet. Daß nichts als ach! und weh! sein treues hertz umbschränckt!
Ach läg ich doch verscharrt im schoß der schwartzen erden So wär ich solcher art entgangen aller noth Es dörffte meine brust nicht mehr gefoltert werden Die jetzt fast stündlich fühlt den allerschärffsten todt.
Ich läge gantz entfernt von allen unglücks-plagen Es griffen mich nicht mehr sturm blitz und wetter an Ich weiß du würdest noch auf meinem grabe sagen: Hier liegt mein armer freund dem ich zu viel gethan;
Ach könt ich ihn anjetzt der todten-schaar entziehen Er würde nicht durch mich und meine glut verzehrt Die rosen solten ihm auf meinem munde blühen Denn seine güldne treu war solcher blumen wehrt.
Verzeihe schönste doch dem eifrigen beginnen. Du siehst allhier die frucht verwirrter ungedult: Bistu nun meisterin von meinen krancken sinnen So tadle mich dann nicht es bleibet deine schuld.
Wiewohl ich weiß du läst mich ohn erbarmen stehen Ich schmecke doch nicht mehr der süssen liebe pfand. Drum will mein hertz auch schon im leyde fast zergehen Vor unmuth fällt mir selbst die feder aus der hand.
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