Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Ist diß nicht Flavia? Ihr augen irret ihr? Schau ich den schönen glantz der sonnen nicht für mir? Der sonnen die der tod mit ungemeinen flecken Unlängst bemühet war mir neidisch zu verdecken?
Es ist ja Flavia o angenehmer tag! Da ich o sonne dich als adler schauen mag Und meine liechter kan in deinen strahlen weiden. Verzeihe Flavia red’ ich zu unbescheiden.
Die freyheit leget mich mit künheits-flügeln an Und führet mich zu dem was nicht vergehen kan Und mich zur asche macht. Ich hoffe bey den sünden (so lieben irrthum ist) genade noch zu finden.
Wo freundschafft fehler ist so heist es schöne schuld Ja selbst der himmel hat mit solcher noth gedult. Wo lauff ich aber hin? O freundin! meine sinnen Die klagen daß sie sich nicht gnugsam freuen können.
Mein auge trauet ihm itzund fast selber nicht Es zweiffelt ob der schein es zweiffelt ob das licht Hier recht natürlich sey. Es fürchtet daß die kertzen Der tod hat angesteckt zu mehren meine schmertzen:
Als rufft er mir zum hohn und mehrung meiner noth Was vor die liebe that das thut itzund der tod. Nein! Nein! Hier ist kein tod. Der reinen röthe prangen Das lebet hier so gut als auff Aurorens wangen:
Die rosen die itzund auff deinen lippen stehn Die währen unverdeckt und konten nicht vergehn. Der himmel dem du gleichst der gibt dich schöner wieder Als er dich von uns riß; Ich schaue deine glieder
(es kan kein irrthum seyn) umgläntzt mit solcher pracht Die mich heist knechtisch seyn und dich zur göttin macht. Geehrte Flavia! Sey lange so zu schauen! Die freude woll auff dich ihr wohn- und lust-hauß bauen
Der jugend schöner lentz der schönheit sonnenschein Der müsse lange zeit dein treuer nachbar seyn. Dein auge schaue nichts als nur gelücke blühen Der seegen wolle dich als wolcken überziehen;
Der schönen bergen paar die schwanen weise brust Sey stets ein libanon von cedern grüner lust. Bleib lange wie du bist ein zierath dieser erden; Laß deiner haare gold gar langsam silber werden.
Laß langsam schnee und eiß auff deinen rosen seyn Es störe ja kein frost dein weisses elffenbein Und deinen schönen geist der todte kan erwecken Den soll die ewigkeit mit ihren flügeln decken.
Genugsam Flavia ein zufall stöst mich an So mir die feder hemmt daß ich nicht schreiben kan Doch laß ich dich allhier noch sieben worte lesen: Die kranckheit Flaviens ist Damons tod gewesen.
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