Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Was schreibt man mir itzund? die Rosen seyn verlohren Und Adelheidens Glantz durch mich hinweg geraft?
Sie werden wie es scheint dir itzund neu gebohren Und deine Kummer Fluth erfrischet ihre Krafft. Es scheint die Liebligkeit die kan dich nicht verlassen Sie bittet allezeit dir freye Taffel an
Dein Auge will mich itzt in nasse Garnen fassen Nach dem sein Feuer mir Gewalt hat angethan. Doch weine nicht zuviel wir haben nichts begangen Was Folter Eisen Strang und Feuers würdig sey;
Wir haben keinen Krieg zusammen angefangen Und unser Bündnüß weiß nichts von Verrätherey. Die Schuld so uns betrifft besteht in Lust und lieben Es hat ja die Natur nicht Straff auf diß gestellt
Der Himmel ließ es frey die ersten Völcker üben; Es war ein Zeitvertreib und Spiel der alten Welt; Seyd fruchtbar hat zwar Gott in Marmel nicht gegra- ben
Doch schrieb Er in das Bluth diß Paradies Geboth Was will man bessern Grund von dieser Sache haben? Die Taffel war der Mensch der Schreiber aber Gott. Nach diesem haben wir durch Schärffe der Gesetze
Das schwere Joch verstärckt: wie irrt die Sterbligkeit! Sie strickt ihr durch die Kunst selbst kummerreiche Ne- tze Und frist sich der Gestalt durch Klugheit vor der Zeit.
Die Eh’ war erstlich nur ein Schluß in dem Gemüthe Der endlich auch den Leib zu einen Zeugen nam Wer sprachte dazumahl von Stand und von Geblü- the
Nach dem die erste Braut zu ihrem Manne kam? Die Ehberedung war geschrieben in den Hertzen Die Tinte war das Bluth das Siegel war ein Kuß Sie hatten sonst kein Licht als nur des Himmels Ker-
tzen Und liebten keine Pracht bey diesem Uberfluß; Braut- und auch Trauring kam aus eines Meisters Händen
Denn Gold lag dazumahl noch in der Mutter Schoß Jhr Bette knackte nicht und war nicht umzuwenden Der Himmel war die Deck’ ihr Pfühl der Erdenkloß. Doch kan man freylich nicht Gebräuche hintertreiben
Sie meistern die Natur und seyn der hohe Rath; Sie seyn fast Müntzen Arth ihr Werth der muß ver- verbleiben Nach dem der Ruf der Zeit ihn ausgesetzet hat.
Ich weiß was itzt die Welt von Liebe pflegt zuhalten Die ohne Priesters Hand zufleischlich worden ist Ich weiß es das die Gunst der Aeltern muß erkalten Wann wieder sie ein Kind hat einen Mann erkiest.
Es wird der gantze Hof von Zorn und Freuer brennen Wann er erfahren wird was ich und du vollbracht Es wird uns iederman mit einem Nahmen nennen Den unsre Vorwelt hat zu Hohn un Schimpf erdacht.
Mich deucht ich höre schon: Sind das die Edlen Sachsen? Ist diß der fremde Stern der meinen Hof geziehrt? Ist diß der junge Fürst durch meine Gunst erwachsen?
Daß er der Tochter Krantz und meinen Schatz ent- führt? Du Schlange hab ich dich in meiner Schoß genehret Auf daß mich endlich nu die falsche Zunge sticht?
Diß was dein Hochmuth sucht das wird dir nicht ge- wehret Und deinen Haubte wächst hier keine Crone nicht. Verfolgung Ungemach Schwerdt Foltern Grimm
und Rache Das sey das Hochzeit Gift das ich dir geben kan Der Himmel führe selbst das Recht von meiner Sa- che
Und greiffe meinen Feind mit Donner Waffen an. Diß schöne Hochzeit Lied wird mir dein Vater singen Bey dem sich ohne diß der Eifer leicht erregt Es wird der gantze Hof mir ein Geschencke bringen
So die Verachtung hat mit ihrer Hand gepregt. Der Neid hat noch bißher von weiten sich gehalten Jtzt wird er aber keck in voller Rüstung stehn Der besten Freunde Gunst wird als ein Eiß erkalten
Und keiner wird mit mir gedencken ümzugehn. Denn Freunde halten stets der Schwalben falsche Weisen Des Glückes Sonnenschein der führt sie bey uns ein
Des Unfalls kalter Nord befiehlt ihn abzureisen Noth will das Schiboleth der rechten Freundschaffe seyn. Doch dieses Klagen kan den Noth Stand nicht ver-
treiben Hier ist kein Pfennig mehr zu zahlen unsre Schuld Und die Errettung steht in keinen langen Schreiben Was hier uns helffen kan ist Gott Flucht und Gedult.
Ich weiß dein zarter Fuß und deine reine Brüste Da nichts als Rosen Blut und Lilgen Milch geschwebt Die seyn fast ungewohnt zu wandeln in der Wüste Da nichts als Schlangen Gift und Trachen Geifer
klebt. Du soltest billich nichts als edles Rauchwerck schme- cken Der Frühling solte nur bekleiden deine Bahn
Es solte dir ein Rock die schönen Lenden decken So Seide nichtig macht und Goldt beschämen kan. Doch das Verhängnüß läst sich nicht durch Menschen zwingen
Man muß gehorsam seyn wenn dessen Stimme ruft Und will dich gleich dein Land mit Ach und Weh ver- dringen Vielleicht grünt dein Gelück in einer fremden Lufft.
Nun Liebste säum dich nicht mit mir die Flucht zuneh- men Und in die frembde Luft zusetzen deinen Fuß Bemüh’ itzt in Gedult der Zeit dich zubeqvemen
Es ist ein schweres Wort auf dieser Welt: Man muß! Umb viere wirst du mich in deinem Garten finden Ach Liebster Schatz vergiß der frühen Stunde nicht Es wird der faure Schritt dich mir mich dir verbin-
den Die Noth ist unser Stab die Lieb ist unser Licht. Der dir mein Schreiben gibt der wird dich auch be- gleiten
Er stellet sich bey dir als treuer Führer ein Du kanst ohn’ alle Furcht auf seine Worte schreiten Bist du dann Helena so muß ich Paris sein.
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