Skip to content
1616–1679

Adelinde an Holdenreich.

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Du kennst ja das Spital in dem ich itzt muß blei- ben Du nennest meine Noth aus Schertz den kal- ten Brandt

Gewißlich kalt genug! was will ich viel beschreiben? Mein’ Angst ist dir so wohl als meine Faust bekandt. Mich solte Furcht und Scham ietzt wohl zurücke hal- ten

Doch Lieb und Ungedult verträgt den Zügel nicht Eh’ als der Jugend Gluth soll unterm Eiß erkalten So will ich lieber seyn durch Hencker hingericht. Diß ist ein hartes Wort und in der Frauen Munde

Ein ungemeiner Spruch; doch wer mein Hertze kenne Der glaube was itzt folgt. Es steht auf festem Grunde: Der Alte so mich plagt muß seyn von mir getrennt. Was soll mein warmer Leib in seinen kalten Armen?

Was soll mir denn ein Kuß der nach dem Grabe schmeckt? Was soll mir den ein Mann der niemahls kan erwar- men?

Und seine beste Krafft aus einer Krause leckt? Der ohne Brillen mich nicht eigen kan betrachten Und mehr das Spiel der Jagt als meine Jugend sucht; Mein Grafe läst du mich in dieser Noht verschmachte

So scheint es ja ich sey von der Natur verflucht. Die Finger schmecken mir noch nach dem starcken Oehlen Damit ich seinen Leib fast täglich schmieren muß

Es will zu keiner Zeit mir hier an Marter fehlen Doch stinckt mir nichts so sehr als sein verfaulter Kuß. Bald liegt er an der Gicht bald liegt er an dem Steine Dann werd’ als Wärterin ich Tag und Nacht ge-

plagt Dann salb’ ich seinen Leib und seine dürre Beine Und wenn es besser wird so eilt er auff die Jagt. Dann ist mein gantzer Leib in Einsamkeit verschlossen

Und wallet wie ein Schiff auff seinen Kummer Meer Ich dencke wie ich nichts von rechter Lust genossen Doch macht mir dieses nicht so viel verdruß als Er. Verläst er seine Jagt und kommet nun zurücke

So ist die Mattigkeit was er erjaget hat Bald will er einen Stuel bald fodert er die Krücke Bald sucht er zitternde beym Apothecker Rath. Da ist kein Feuer mehr ihn satsam zu erhitzen

Dann weht die Ungedult ihm scharffe Winde zu Er wird ein kaltes Eiß wo du begehrst zuschwitzen Was machst denn mittler Zeit O Adelheide du? Ich liege weil er schnarcht und spiele mit Gedancken

Wo dieses spielen heist was Ach und Weh umschrenckt Und unsern Sinn beschleust in einem Trauer Schran- cken Der uns biß in den Todt mit Jammer Dornen kränckt.

Ich dencke wie es sey wenn Jugend Jugend küsset Wann Bluhmen in der Lust verwechseln Blat in Blat Und eine lange Nacht das schöne Spiel versüsset

So zwar des Himmels Hand vorlengst bezuckert hat. Wann ein verliebtes Paar bey angenehmen Morgen Den zarten Liebes Thau auf rothe Knospen setzt Und in ein enges Grab verscharret seine Sorgen

Ich aber bin itzund der Lust nicht werth geschätzt. Ein Traum ist alles diß was mich bisher erquicket Der ladet manchesmahl mich schlüpfrig bey ihm ein Doch wann der Traum verstreicht und nu die Sonne

blicket So find’ ich das bey ihm nur kalte Schalen seyn. Wiewohl die Dürfftigkeit mir nicht vergönt zuwehlen Ich reise manchesmahl auf Kost und Träume zu

Und soll mein Holdenreich ich alles frey erzehlen So schwer’ ich meinen Traum versiegelt nichts als du. Du weist die Träume seyn der schlaffenden Gedancken Es zeigt mir manchesmahl die Tafel einer Nacht

Wie deine steiffe Brunst an statt der schwachen kran- cken Durch Aepffelreiche Lust mich gantzhat satt gemacht. Mein Grafe dir will ich mich gantz zueigen geben

Ich nenne mich dein Weib ja wilst du deine Magd Bringstu den alten Mann nur zeitlich umb das Leben Ich weiß du bist bereit die Lieb ist unverzagt. Du kanst auf einen Tag nicht weit vom Schlosse jagen

Und durch ein frisches Horn verrathen deine Lust So will ich alsobald zu meinem Alten sagen Ist diß ein neuer Brauch? ich weiß nicht was du thust? Soll denn das grosse Recht ein ieder Ritter brechen

Ist deine hohe Jagd ein allgemeine Bahn? Du must gewiß mit Ernst dergleichen Frevel rächen Ob wohl Graff Holdenreich dich auch so trotzen kan? Ich weiß wie schwach er ist er wird zu Pferde sitzen

Und dir entgegen gehn wie seine Tohrheit pflegt So laß sein grobes Wort dir auch dein Blut erhitzen Und mache das man ihn mir Todt zurücke trägt. Ich weis; es wird die Welt nicht gleiches Urtheil fällen

Der Himmel schreibet selbst man nehme Blut für Blut Doch unsre Regung komt aus allzusüssen Quellen Denn wer verliebet ist weiß selten was er thut.

Und über diß wir seyn die Grossen in dem Lande Das Recht und dessen Schwerd ist nur den Armen scharf Der Ahnen grauer Schildt verdeckt der Reichen

Schande Ich weiß den Richter nicht der uns bestraffen darf. Du kanst nach solcher That dich auch bey Seite machen (ach was verleschet nicht der nasse Schwam der Zeit!)

Die Nachwelt rühmet offt der alten ärgste Sachen Wann sie der Jahre Hand mit Schimmel hat bestreut Jmmittelst will ich Mund und Auge so verstellen Das meine Thränen auch die Welt beweinen soll

Ich will gantz athemloß zur Leiche mich gesellen Als wer ich leer von Schuld und alles Traurens voll. Wünscht nu die treue Pflicht in meiner Gunst zuleben Gleicht deinen Worten sich auch Lantze Stärck und

Muth So wirstu mir gewiß ein Zeugnüs müssen geben Das rothe Siegel sey itzt meines Mannes Bluth.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Adelinde an Holdenreich. · Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau · Poetry Cove