Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Ach ach! wie reimt sich ach, und Liebe doch zusammen? Was aber reimt sich nicht, wann Zeit und Himmel schafft, Der Furchte dickes Eiß bestrickt die Liebes Flammen, Ich werde durch die Hand der Aengsten hingeraft.
Ich böbe wie ein Laub bewegt durch Kummer Winde, Es plaget meinen Geist Verlust und auch Gewinn, Ich werd' aus bleicher Noth zu einem rechten Kinde, Ach daß ich nicht als Kind vorlängst gestorben bin.
Der Aeltern Nahmen ist in meinen dünnen Ohren, Wie ein Beschwerungs Wort und wie ein Donnerschlag, Ach wer' ich nur zuvor gestorben als gebohren! Daß ich doch nicht alsbald ein Unding werden mag!
Mich deucht, der gantze Hoff erkent was ich begangen, Mich deucht, ein ieder Mensch verweist mir meine That, Die Bluhmen wachsen noch aus Scham auf meinen Wangen, Die sonst mein schwacher Leib aus Lust verlohren hat.
Ich bin der Perle gleich, die Flecke hat bekommen, Und von des Keysers Haubt an schlechte Hälse muß, Mir ist nunmehr mein Glantz und auch mein Werth entnommen, Und dieses alles fällt durch einen süssen Kuß.
Diß schwer' ich, daß mein Leib ein Garten ist gewesen, Der stets verschlossen war als wie das Paradies, Ich weiß das keine Hand hier Bluhmen hat gelesen, Und daß kein geiler Wind durch meine Blätter bließ;
Was hilft uns aber doch zuseyn und nicht zubleiben, Verflossen Wasser mahlt doch keine Körner nicht; Es wird die Affter Welt nur meinen Fall beschreiben, Und was ich guts gestift schaut nicht das Tage Licht.
Der Menschen Urthel Spruch vergleichet sich den Fliegen, Sie fallen nur Geschwür und Eyter Beulen an, Die Fehler unser Zeit, die werden nicht verschwiegen, Nur diß bleibt unbekannt was man hat guts gethan.
Mein fromseyn machte mich zum Phönix in dem Lande, Nachdem ich aber mich in böser Gluth verbrennt, So giebt die Asche nichts als Eulen voller Schande, Ach daß ein keusches Weib noch meinen Namen nennt.
Der Ungarn weites Landt wird ungern hören müssen, Das nicht die Crone mir kan auf den Wirbel stehn, Denn weil der Geilheit Hand mir hat den Krantz zurissen, So kan ich ja forthin nicht mehr gekrönet gehn.
Ihr König wird bestürtzt die böse Zeitung hören, Und sagen: Ehr und Glas zubrechen vor der Zeit; Mein Zufall wird gewiß ihn diese Worte lehren: Es paart sich nichts so schwer als Zucht und Freundligkeit.
Ich weiß er wird bestürtzt in die Gedancken schreiten, Die Rose ladet uns zum pflücken selber ein, Der süsse Zinamey gefällt uns auch von weiten, Die beste Kuplerey ist schön und lieblich seyn.
Was spiel ich aber noch mit meinen schweren Ketten? Auß Aengsten schreib ich diß, in Wahrheit nicht aus Lust, Das Garn, darin mein Fuß aus Unbedacht getreten, Verwörret mein Gemüth und naget meine Brust.
Ich schreib itzund vor dich, und was allhier zulesen, Geht erstlich mich, dann dich, am allermeisten an, Du weist was ich vollbracht, und was ich bin gewesen, Ich weiß es daß dein Geist mich nicht verlassen kan;
Wo ist mein Aleran der Zucker dieser Stunden, Da mich das erstemal dein lieber Arm umfieng? Es ist die Liebligkeit als wie ein Wachs verschwunden, So dazumahl mit Lust an meinen Lippen hieng;
Die süsse Kützelung der unbekanten Lüste, Dazu mich unvermerckt dein Bitten hat geführt, Verweiset mich itzund in eine dürre Wüste, In welcher man sonst nichts als Angst und Noth verspührt.
Die Rosen seyn vorbey, mein Garten ist durchrissen, Mein Stock ist abgepfluckt, ja Schande liegt dafür; Und wilstu meine Noth mit wenig Worten wissen, So schreib ich nicht als diß: zwey Hertzen seyn in mir,
Sie schlagen ohne Ruh als Wecker meiner Nöthen, Ein ieder Augenblick verweist mir meine That, Ach könte mich der Spott doch so geschwinde tödten, Als meinen schwachen Leib dein Kuß verletzet hat!
Vergieb mir meine Schuld, wo meine Feder irret, Und ein zuhartes Wort dir fast verdrieslich ist, Mein Leib trägt frembde Last, die Geister sind verwirret, Durch Kummer Dampf wird nicht des Witzes Licht erkiest.
Doch stöhrt diß alles nicht die Kräften meiner Flammen, Verweist mir gleich die Zeit, was diese Brust gethan, Schlegt Schrecken, Furcht und Spott gleich über mich zusammen, So leb ich doch durch diß: Es lebt noch Aleran.
Kom, lencke dich zu mir, und auch zu deinem Pfande, Ich nenn es wo du wilst, den Geisel deiner Gunst, Kom, führe mich alsbald aus meines Vatern Lande, Dann hier verzehret mich des Zornes heisse Brunst.
Ich will nach meiner Pflicht dich überall begleiten, Und treulich mit dir gehn, wohin es dir gefällt; Ich will mit dir getrost in solche Länder schreiten, Wo nichts als Ungemach die bleiche Wohnung hält.
Ich mache mich mit dir zu den verbrandten Mohren, Und wo der kalte Nord die weissen Bähren nährt, Hat mich der Himmel gleich zu ihrer Kost erkohren, So werd ich doch vielleicht auf deiner Schoß verzehrt.
Da wollen wir alsdann die Schuld der Jugend büssen, Und zeigen was ein Geist mit Treu gekrönt vermag, Ja muß ich gleich wie du mich in mich selbst verschlüssen, So tritt die Tugend doch noch endlich an den Tag.
Es ist ein schwerer Grif den Pilgrams-Stab zufassen, Und meiner Zärtligkeit will diß wie Wermuth ein; Doch wer die Wollust See ihm hat belieben lassen, Dem muß der Jammer Strand nur nicht zuwieder seyn.
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