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[Ach daß ich euch nicht meiden müste]

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Ach daß ich euch nicht meiden müste Ihr schätze dieser dritten welt Ihr schnee-gebürgten engel-brüste Von lufft und seuffzern auffgeschwellt;

Mit eurer rundten liebligkeit Mag nichts durchaus verglichen werden Weil ihr des himmels und der erden Des grossen rundtes bilder seyd.

Ihr die ihr beyde hände füllet Ihr seyd hier nicht wie anderwärts In tausend tüchern eingehüllet Und qvält das aug und klemmt das hertz:

Ihr zeiget bloß und decket frey Durch lindes auff- und nieder-wallen Daß in euch weissen marmor-ballen Blut feuer geist und leben sey.

Auff euren hügeln schöne brüste Hat eine werthe mildigkeit Den süssen saamen aller lüste Zu vollem wachsthum ausgestreut:

Hier ist die süsse frucht der welt Die nach dem paradiese schmecket Darein der starcke leim verstecket Der alle welt zusammen hält.

Ach möchten mir die würffel fallen Daß ich nicht dürffte weiter gehn Und könte stets euch zucker-ballen In eurem milch-meer schwimmen sehn

Ich wolte gern durch manchen kuß Euch allerschönsten liebs-altären Die höchste billigkeit gewähren Die man an euch verwundern muß.

Doch nein der himmel wills nicht leiden Mein schicksal reist mich von euch hin; Lebt wohl ich muß euch ewig meiden Wiewohl ich euer sclave bin.

Was denn der mund nicht leisten kan Das nehmt ihr schönsten engel-brüste Ihr gegenwürffe meiner lüste Von lebenden gedancken an.

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