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1616–1679

A und O!

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Daß bley und cronen-gold gar offt verschwestert seyn: Daß purpur, schweiß und blut sich meistentheils verbinden, Und auch die dornen sich bey könig-rosen finden, Schreibt nicht Savedra nur der printzen hertzen ein;

Es muste dieses selbst ein helden-geist bekennen, Als sein gesalbtes haupt zur höchsten ehre kam, Und durch geburth und wahl die teutsche crone nahm: Hier, sprach er, mag ich wohl die würde bürde nennen,

Denn alle perlen sind der thränen contrefay: Ja, jeder diamant kommt zwar den cronen bey; Doch ist er ein prophet von manchen unglücks-hlitzen, Und kan das matte hertz wie lauter dornen ritzen.

Zwar cantzel und altar reimt sich zum throne nicht: Von sceptern ist es schwer, auf buch und creutz zu schlüssen; Doch wird die wahrheit selbst den ausschlag geben müssen, Daß auch der priester amt mehr dorn als rosen bricht.

Wenn dort Nicetius der kirchen inful träget, Und Triers bischoffs-stab in seiner hand erblickt, So fühlt er eine last, die haupt und schultern drückt, Und sein gemüth und hertz in bange fessel leget:

Er sieht, wie lust in last, ruhm in verdruß sich kehrt, Daß, wer durch müh und fleiß ein bischoffs-amt begehrt, Zwar etwas köstlichs sucht, doch auch erfahren müsse, Daß seine würde sich mit einer bürde küsse.

Ein ungestümmes meer hegt so viel klippen nicht, Als fährlichkeiten hier dem Paulus schiffbruch dräuen: Die welt vergnüget sich, das creutzige! zu schreyen, Wenn sie als natter stets der lehrer fersen sticht:

Der, so von anfang her als mörder sich erzeiget, Hat offt durch Doegs faust der priester blut verspritzt, Und eine Jsebel zu tollem grimm erhitzt, Daß der propheten hals zum schwerdte sich geneiget.

Wenn Noa busse rufft, wird er der sünder spott: Zu Sodom lauret man auf den gerechten Loth: Gefängniß muß zuletzt Johannis wahrheit kräncken, Und sein geheiligt haupt dem geilen tantze schencken.

Gesetzt, daß pfahl und stahl der lehrer noch verschont, Daß man die glieder nicht in pech und schwefel kreischet, Und sie mit beil und pfeil biß auf den tod zerfleischet; So werden sie doch meist mit zorn und hohn belohnt.

Wenn Ahab seinen grimm will gegen Micha weisen: Wenn nichts als murren sich vor Moses treue zeigt, Und ein Onesimus des Paulus hertze beugt; Da muß ein priester sich mit bittrer wermuth speisen.

Obgleich Ambrosius mit lippen-zucker tränckt, Und ein Chrysostomus gold aus dem munde schenckt; Die unbußfertigkeit, das eyfern, kräncken, wachen, Muß den Eliam offt des lebens müde machen.

Doch die nativität hat ihnen längst gestellt Der kirchen ober-hirt, der gröste der propheten, Jhr schicksal würde seyn verhöhnen, lästern, töden, Verfolgung in der welt, weil sie nicht von der welt.

Der meister muste schon die dornen-crone tragen, Was wunder, wenn den knecht die scharffe spitze sticht? Und endlich ist es klar, weßwegen es geschicht, Daß welt und satan stets der lehrer seelen plagen.

Es sieht der höllen-wolff, daß treuer hirten wacht Schon manches schäfgen hat aus seinem rachen bracht: Nächst diesem kan die welt sie darum nicht vertragen, Weil sie mehr weh als sanfft mit ihrem stabe schlagen.

Ich schweige, daß der haß offt nach dem tode lebt: Denn wie des baumes fall die früchte selbsten fühlen, So will die welt den muth an weib und kindern kühlen, Zu derer unglücks-fall sie fleißig gruben gräbt.

Ich melde nicht, was sonst vor trübsal und vor jammer Der treuen lehrer hertz in scharffe disteln legt, Und ihnen auf die brust des creutzes wappen prägt; Der himmel höret es, es weiß es ihre kammer,

Wie offt gefahr und angst um ihre scheitel streicht, Wenn ein verführisch wolff um ihren schaf-stall schleicht: Wenn sie offt müd und matt bey solchen elends-tagen, Nur aufgelöst zu sehn, ein sanfft verlangen tragen.

Sie streuen in geduld des wortes milde saat, Da sie doch heerlinge vor gute trauben lesen: Ja wenn die erndte groß und wohl bestellt gewesen, Sind doch die wenigsten, die GOtt gewehlet hat.

Wenn sie die gläubigen mit angst gebähren müssen, Und aber manches kind die mutter selber haßt: Wenn offt ein zarter baum kaum eine wurtzel faßt, Den sie mit schweiß und fleiß verbinden und begiessen,

Da er doch einen wurm in seiner rinde heckt, Und mit vergifftem thau das junge blut befleckt: Das heist vergebne müh, das sind beschwerlichkeiten, Die eines lehrers amt biß in das grab begleiten.

Was ist ein prediger? Ein hell-beflammtes licht, Das selbsten sich verzehrt, indem es andern leuchtet; Die lippen sind ein brunn, der vieler hertz befeuchtet, Indessen auf sein haupt des creutzes sonne sticht.

Wie bienen sammlet er des honigs süsse speise, Vor einen fremden mund, nicht vor sich selbsten ein: Sein brod ist angst und müh, die thränen sind sein wein: Der haupt-pfühl ist ein stein, wie Jacob auf der reise

Dem sorgen-vollen haupt dergleichen küssen gab, Biß daß der saure stand zuletzte durch das grab Zu seinem schlusse kommt, und sie nach sturm und winden, Der ruhe süssen port in ihrem sarge finden.

Doch seht den groschen auch zur andern seiten an! Beschwerung und gefahr verdunckeln nicht die strahlen, Es prangt der priester-stand mit solchen ehren-mahlen, Dabey man leid und neid gar leicht vergefsen kan.

Sein schicksal gleicht sich zwar den trüben finsternissen, Darinn ihr ruhm und stern nur desto heller strahlt. Und ist das creutze schon an ihre brust gemahlt; Doch muß das hertze sich mit lauter rosen küssen.

Ein brunn wird zwar getrübt, doch wieder ausgeklärt: Sie werden zwar gedruckt, doch ihnen widerfährt Diß leiden nur zum ruhm, daß sie durch creutz und plagen Dem HErren ähnlich sind, und seine zeichen tragen.

O! was vor hellen glantz giebt dieser gegen-schein! Ein lehrer kommt von GOtt, als leuchter von dem lichte, Er siehet stets im geist des Höchsten angesichte, Wie solt er nicht bey uns ein irrdscher engel seyn?

Er ist es, welchem GOtt geheimnisse vertrauet, Er führt des geistes amt, darinnen ihm gebührt, Daß er durch Christi krafft des HErren kriege führt, Wenn er durch mund und hand an GOttes tempel bauet,

Durch lehr und leben sich selbst zum exempel macht, Und also Christi reich stets zu vermehren tracht: Das ist ein schön geruch, der nach den himmel steiget, Und seine lieblichkeit gedoppelt fruchtbar weiset.

Ist das nicht ehr und ruhm, des HErren bothe seyn, Und GOttes gnaden-bund auf seinen lippen tragen? Will man nach licht und recht, nach trost und lehre fragen, Hier hört man voller krafft des ruffers stimme schreyn;

Ein reiner prediger ist eine süsse quelle, Da offt ein durstig hirsch das frische wasser leckt: Ein donner, der das hertz der sichern sünder schreckt: Ein zeug-haus voller rath, da man auf alle fälle

Sich wider noth und tod die waffen holen kan: Wer ihn beleidiget, greifft GOttes augen an: Er steht an Christi stadt: Wer will den HErren hören, Der muß durch lieb und furcht auch den gesandten ehren.

Nun Aarons ruthe blüht, der lehrer ruhm ist klar: Die taube, derer mund des friedens öl-blat bringet: Der Jacob, der mit GOtt durch heisses beten ringet: Die zunge, welche dort vom geiste feurig war:

Das brust-bild Zebaoths, das ihre schultern zieret: Und was noch mehr vor glantz von Mosis stirne fällt: Hat längst das priester-amt so herrlich vorgestellt, Daß seiner würdigkeit das schönste lob gebühret.

Doch alles dieses ist vor weniges geacht, Wenn man den gnaden-lohn der ewigkeit betracht: Die crone mein ich hier, die sie nach diesen tagen, Einst vor des lammes stuhl auf ihrem haupte tragen.

Die lehrer leuchten dort, als wie des himmels glantz, Die zur gerechtigkeit viel seelen angewiesen, Die werden dermahleins den sternen gleich gepriesen. O ungemeiner tod! O schöner sieges-krantz!

Hier fällt die feder hin, weil doch nicht zu beschreiben, Was noch kein ohr gehört, kein auge nie erblickt. Wenn Paulum gleich der geist im dritten himmel rückt; So muß, was er gesehn, doch unaussprechlich bleiben.

Wohl dem nun, der bey GOtt der lehrer crone trägt, Wenn er sein heilig amt im tode niederlegt, Der auf dem berge Hor mit Aaron sich entkleidet, Und den erlösten geist in GOttes antlitz weidet!

Glückseeliger Mörlin! Ich wende mich zu dir, Denn du geneußt itzund den kern von diesem allem, Nachdem dein schönes loos aufs lieblichste gefallen. Du warst bey lebens-zeit der reinen lehrer zier:

Dein rühmliches geschlecht hat schon von grauen jahren In GOttes heiligthum den vorhang aufgethan: Es hängt die pietät dir von den eltern an, Die ihrem GOtt getreu, der kirchen nützlich waren:

Was wunder! daß ihr geist gedoppelt auf dich kam, Daß GOtt als hirten dich zu zweyen heerden nahm, Und dir durch theuren ruff ein solches amt vertraute, Darinn dein frommer geist mit grossem nutzen baute.

Die cantzel und altar, als steine, zeugen mir, Wie du dein liebes volck mit manna hast gespeiset, Und gegen alle dich als vater stets erweiset: Du trugest kern und safft, nicht taube schalen, für:

Dein lehren war nicht leer, wenn glauben, lieben, hoffen, Als wie ein klee-blat, dir in mund und hertz gegrünt, Und deiner seelen-schaar zur süssen kost gedient: Wenn deine lippen offt von lauter honig troffen;

So reichte deine brust die milch des trostes dar, Und machte Christi wort in reicher maase wahr: Wer diesen theuren fels im glauben kan umschliessen, Von dessen leibe soll ein strohm des lebens fliessen.

Zwar dein geheiligt amt war nicht von sorgen frey, Das, wenn du zucker gabst, offt gallen erndten müssen; Doch dieses konte dir den grösten schmertz versüssen, Daß trübsal, creutz und schmach der lehrer crone sey,

Und sie nach müh und tod des lebens kleinod erben. So war der fleiß dein preiß, daß du die gröste last Mit lust und freundlichkeit auf dich genommen hast, Du woltest stehende, wie jener käyser, sterben.

Nun dieses ist erfüllt, da dir des HErren hand Auf deinem predig-stuhl das scheiden zuerkannt: Gantz Blumeroda soll von deinem ende zeugen, Ja selbst die steine nicht den sanfften tod verschweigen.

Die leichen-predigt hast du selber dir gethan, Und, was du sonst gelehrt, durch deinen tod versiegelt. Wohl dem, der sich an dir und deinem ende spiegelt! Der lernet, wie man sanfft und seelig sterben kan.

Jtzund geneust dein geist der edlen himmels-schätze, Allwo der palmen-zweig in deinen händen grünt: Dein haupt ist schon gecrönt, und deine treu verdient, Daß man die kurtze schrifft an deine cantzel setze:

Hier schloß der prediger die predigt und den mund, Judem er zwischen GOtt und seiner heerde stund; Durch einen sanfften tod ist er im himmel-orden, Und bey den ältisten ein ewig priester worden.

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