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1616–1679

1.

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Nicht schäme dich du saubere Melinde Daß deine zarte reinligkeit Der feuchte mond verweist in eine binde Und dir den bunten einfluß dräut.

Der grosse belt hegt ebb’ und flut Was wunder wenns der mensch der kleine thut. Die röthligkeit bey deinen bunten sachen Hat niemahls deinen schooß versehrt.

Wie muscheln sich durch purpur theuer machen So macht dein schnecken-blut dich werth. Wer liebt dein dinten-meer wohl nicht Weil man daraus corallen zincken bricht.

Nur einmahl bringt das gantze jahr uns nelcken Dein blumen-busch bringts monatlich Dein rosen-strauch mag nicht verwelcken Sein dorn der hält bey dir nicht stich

Denn was die sanfften blätter macht Das ist ein thau von der johannis-nacht. Kanst du gleich nicht die hurtgen lenden rühren Lobt man dich doch im stille stehn

Der augenblau wird leichtlich sich verlieren Denn wirst du seyn noch eins so schön. Man sammlet spricht die gantze welt Viel besser frucht wenn starcke blüte fällt.

Laß mich darum doch keine fasten halten Ein könig nimmt den schranck zwar ein Doch muß er fort wenn sich die wasser spalten Der geist muß ausgestossen seyn.

Man geht wie iedermann bekandt Durchs rothe meer in das gelobte land.

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